Blog Archiv: Die Welt ist schlecht August 2008

FREIDENKER-WARNUNG

Wenn du dich nicht mit extrem unkonventionellen Ansichten auseinanderseten willst, dann verlasse diese Seite sofort. Andernfalls droht dir die Gefahr, dass du dich psychischem Stress aussetzt und dein Weltbild zusammenbricht. Wenn du dir die Texte auf dieser Website durchliest, nimmst du das Risiko in Kauf zum Nachdenken gebracht zu werden. Bei Menschen, die dies nicht gewohnt sind, kann dies zu schweren unwillkürlichen psychischen Abwehrreaktionen führen. Zur oberflächlichen Symptombehandlung reichen im Normalfall aber Verdrängung, Antidepressiva und Psychotherapie völlig aus.

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3.8.2008 (Sonntag): Automatisches Schreiben

Gerade habe ich ne Schreibtechnik ausprobiert. Nennt sich Automatisches Schreiben, auch wenn sich das etwas bekloppt anhört. Bei mir ist folgender Kram herausgekommen (in Müll.txt):

Ich kann nicht klar denken. Das ist furchtbar. Eigentlich will/muss ich ja Sci-Fi Geschichten schreiben. Gestern hat es nicht geklappt, weil ich alles nach hinten geschoben habe und am Ende dann wegen Kopfschmerzen nichts schreiben konnte. Vielleicht hat mein Unterbewusstsein mir das ja eingebrockt, weil es irgendwie beständig gegen meine nach Anstrengung aussehenden Vorhaben ankämpft. Es ist einfach nur frustrierend. Ich kann nicht einmal klar denken bzw. darüber nachdenken, worüber ich denn eigentlich nachdenken sollte. Eigentlich ist das Denken bei mir eine verselbständigte Besessenheit. Es ist viel zu ineffizient. Meine Gedanken drehen sich nur im Kreise. Manchmal kommt etwas Sinnvolles dabei raus, aber das sind nur Fetzen. Damit kann ich wenig anfangen. Ich müsste diese Gedankenfetzen miteinander verweben, aber das kann ich nicht - ich weiß nicht, wie das geht. Ich fühle mich zu schwach dazu, wie ein Hase, der vor Angst vor einer Schlange gelähmt ist. Aber habe ich überhaupt Angst oder Blockiert mich nur meine Trägheit? Ich weiß es nicht genau, aber auf jeden Fall habe ich massive Blockaden, die ich versuche durch Hungern bei Versagen zu überwinden. Das ist natürlich die Holzhammermethode, aber mir fällt echts nichts besseres mehr ein, nachdem ich jahrelang weichere Verfahren ausprobiert habe und letztendlich dabei doch nicht weiter rausgekommen ist. In der Zwischenzeit bin ich zwar in vielen Bereichen gereift, aber davon kann ich mir in der Praxis nun auch wieder nichts kaufen.
Vielleicht sollte ich mal einen Absatz machen. Gleich ist die Hälfte meiner Schreibzeit vorbei. Mal schauen, was mir noch so einfällt.
Ich schreibe irgendwie schnell, habe ich das Gefühl. Deutlich schneller als wenn ich etwas sinnvolles und zusammenhängendes schreiben würde. Bei letzterem muss ich mir überlegen, dass alles irgendwie gut zusammenpassen bzw. überhaupt in den Kontext des schreibens passen sollte. Und vielleicht sollte ich nicht alles am Computer schreiben, obwohl es mir sinnlos vorkommt, Papier zu verschwenden und außerdem ist mein Zimmer schon ohne überflüssige Papiergeschreibselfetzen unordentlich genug. Vielleicht sollte ich mal wieder aufräumen, aber wie sollte ich dabei überhaupt vorgehen? Meinen Geist muss ich auch mal wieder aufräumen. In letzter Zeit kreisten meine Gedanken um die Frage, wie meine Zukunft aussieht, wie ich mein Geld verdienen kann und was ich nebenher noch machen soll. Eigentlich ist meine Priorität momentan das Leid der Tiere auf diesem Planeten zu verringern, aber kann ich das durch Schreiben schaffen? Und wenn nein, was sollte ich sonst tun? Mich einer Tierrechtsgruppe anschließen oder sowas? Und wenn ich durch Schreiben wirklich etwas erreichen kann, wie soll ich dann das ganze strukturieren? Auf was muss ich achten? Wie erreiche ich die bestmögliche Wirkung bei meinem Publikum? Und wie soll diese Wirkung eigentlich aussehen? Eigentlich bin ich dazu gezwungen, zu schreiben, wenn ich anderen wirklich meine Gedanken erklären, also wirklich kommunizieren will. Aber muss ich das eigentlich? Wenn ich das will, dann muss ich mich auf einen sehr beschwerlichen Weg einlassen. Prinzipiell bin ich dafür bereit, aber emotional geht das bei mir überhaupt nicht, weil mein tierliches Selbst zu unmotiviert ist. Es will einfach nur existieren und nicht viel mehr und vielleicht noch die Bedürfnisse befriedigen, die aktuell vorhanden sind. Andere Individuen scheinen es gar nicht wirklich zu interessieren. Irgendwie finde ich das erschreckend. Ende.

3.8.2008 (Sonntag): Aufgefaltet

Mir ist da was aufgefaltet. Meine jüngeren Blogeinträge (ja, Trägheit steckt hinter folgendem) längeln sich alle ungefähr identisch groß. Dies hier fällt total aus der Rolle. Spiele ich eine Rolle? Ich tRoll mich mal.

3.8.2008 (Sonntag): Rahmen

Wieso mache ich alles so kompliziert? Eigentlich habe ich keine Hoffnung mehr, irgendwie etwas Ausgefallenes zu erreichen. Muss ja auch nicht ausfallend / auffallend werden. Eigentlich reicht für meine Existenz ja ganz einfach folgender Rahmen:
Ich bin Mathematiker und mache irgendwelche beliebig stupiden oder fesselnden Arbeiten, hauptsache irgendetwas, damit ich zu Geld komme und nebenher noch behaupten kann, mein Studium habe sich für irgendetwas gelohnt, falls ich es denn jemals wirklich abschließen werde, worauf ich im übrigen wohl auch keine Hoffnung haben sollte. Als Hobby schreibe ich einfach irgendeinen Kram, der überhaupt niemanden interessieren muss. Einfach so, weil ich eben schreiben will auch wenn das gar nichts bringen sollte. Immerhin habe ich damit eine Beschäftigung, die mich davon abhält meine Gedanken in die S¹ einzubetten (d.h. sich im Kreis drehen zu lassen). Nebenher kann ich ja noch weiterhin versuchen, meine Umwelt mit meinen supertollen Memen zu infizieren, auch wenn mir das irgendwie nicht so aussichtsreich erscheint, dass ich damit so viel Erfolg haben werde - trotz der rein rational gesehenen überragenden subjektiven Qualität meiner Meme.

Was habe ich also:
1. Geld; 2. Meme im Geschreibsel; 3. Memsprenklerspaß

Darum dreht sich doch das ganze Leben, nicht wahr? Naja, wenn ich noch so altmodisch wäre und etwas von Genen halten würde, würde ich versuchen, diese auch noch zu verteilen, aber diese Mühe kann ich mir ja ersparen. Im Prinzip ist das in der Theorie alles so einfach. Wieso ist die Praxis dann so bekloppt chaotisch und kompliziert?

Kommentar von FarbigeWelt

Hallo Metafire,

"Im Prinzip ist das in der Theorie alles so einfach. Wieso ist die Praxis dann so bekloppt chaotisch und kompliziert?"

Dazu fällt mir ein kurzer Text von mir ein:

"Das Leben basiert auf Nullen,
Einsen und dem Zufall.

Diese drei beschreiben alles.

Alles andere sind Möglichkeiten, die einen
wahrscheinlicher als die anderen.
Unendlichkeiten zeugen aus der Vielfalt
komplexe Folgen.

Im Anfang steht das Verständnis seiner selbst,
steht das Wort."

Gruss,
FarbigeWelt

9.8.2008 (Samstag): Interesse

Mein Projekt "Hungern für das Schreiben" habe ich inzwischen aufgegeben. Nicht dass es nicht funktioniert hätte. Es hat funktioniert. So ein Loch im Magen motiviert schon irgendwie dazu was dagegen zu tun. Aber leider hat es nicht gut genug funktioniert. Meine Textpassagen kamen nur irgendwie Bröckchenweise und dann war am Tag darauf mal wieder tote Hose und am nächsten Tag wieder der Hungerstreik. Das ist irgendwie kaum wirklich produktiv.

Nachdem ich vor zwei Tagen mal wieder gemerkt habe, was für eine scheußliche Brühe Kaffee eigentlich ist, wenn er nicht die richtige Temperatur hat, dachte ich mir, dass ich gleich damit aufhören könnte. Vielleicht hilft das ja was. Vielleicht bilde ich mir auch nur ein, auf diese Weise bewusster leben zu können, was vielleicht am Anfang stimmen mag, aber letztendlich so oder so zur Illusion abdriftet. Wie auch immer. Kaffeeabstinenz verursacht auf jeden Fall lustige Kopfschmerzen (ahhh, der Schmerz ist mein Freund *g*).

Wie geht's weiter? Mir hat irgendwie die richtige Motivation gefehlt. Aber heute nach meinem ziemlich krassen Traum habe ich gemerkt, dass irgendwie nur Interesse zu wirklicher Motivation führt. Nur interessante Dinge haben es verdient, intrinsische Motivation zu bekommen. Alles andere ist doch nur Herumgepfusche. Eigentlich müsste ich daher ne hohe Motivation haben, zu träumen. Habe ich eigentlich auch. Wieso bleibe ich denn oft im Bett liegen und schlafe wieder ein, nachdem der Wecker schon geklingelt hat? Vielleicht weil ich öfters solche Träume haben will wie den von heute Nacht wo ich in einem achtstöckigen vegetarisch/veganen Restaurant war, wo es zu gelatiniertem Wein exotische asiatische Nudelgerichte (als Beilage!) gab, deren Namen dennoch französisch klang. Das war im 7. Stochwerk, im "Ich kippe mir gepflegt einen hinter die Binde"-Theme (deswegen war das Essen nur die Beilage zum Wein). Danach bin ich wieder in die unteren Stockwerke geklettert - das ging, weil das Restaurant aufgebaut war wie eine seitlich zusammengestauchte Pyramide. Egal, was kommt so etwas in der Nichttraumzeit näher als selber verrückte Sci-Fi Geschichten zu schreiben?

Die Welt ist schlecht - aber verdammt interessant!

16.8.2008 (Samstag): Das Parlament des Geistes

Am Mittwoch habe ich mal meine Situation analysiert und versucht herauszufinden, wieso meine Lage so aussichtslos erscheint. Der Knackpunkt ist mein Wille. Dieser ist nämlich kein homogenes Gebilde. Ja selbst meine Identität ist keineswegs homogen, wie es die übliche gesellschaftlich anerkannte Illusion vermitteln will. Ihr Wahrheit ähnelt mein Wille einem Parlament mit verschiedenen Parteien. Hier möchte ich meine Parteilandschaft vorstellen.

Partei der Angst (Kürzel: PA), 3 Prozent der Sitze im Parlament: Die PA ist höchst besorgt, denn es gibt Dinge, die höchst gefährlich für meine Integrität und meine Existenz sein könnten. Daher versucht sie mich von allem fernzuhalten, was irgendwie gefährlich sein könnte: Menschen, gefährlichen Situationen, weniger gefährlichen Situationen und lächerlich ungefährlichen Situationen. Am liebsten wäre es der Partei, wenn ich mich von allem fernhalten würde, was der PA irgendwie Angst einflößen könnte. Zum Glück hat diese extremistische Partei so wenig Stimmen. Leider gibt es in meinem Geist keine Fünfprozenthürde.

Partei der bEQUEMLICHKEIT (Kürzel: Pb), 30 Prozent der Sitze im Parlament: Die Pb sieht es mit großer Sorge, dass ich mich manchmal anstrenge. Alle Anstrengung ist bei der Pb hochgradig unbeliebt, denn das Leben ist doch dazu da, es sich die ganze Zeit richtig gemütlich zu machen und nichts zu tun, was sich als Arbeit interpretieren ließe (also fast alles). Im Grunde ist die Pb eigentlich gegen alles, es sei denn ich tue kurz etwas, um es danach noch gemütlicher zu haben. Damit erweist sich die Pb als großer und bedeutender Hemmschuh in meinem Leben.

Spaß- und AblenkungsVolxparTei (SAVT), 40 Prozent der Sitze im Parlament: Die SAVT (oder der SAVT) ist bestrebt, den Spaß zu maximieren. Alles, was keinen Spaß macht, wird sofort abgelehnt und es wird in Sekundenschnelle ein Alternativprogramm zur Ablenkung erworfen und in den Geistestag eingebracht. Da der SAVT als Partei schon fast die Mehrheit im Geistestag besitzt, bestimmt er maßgeblich die Politik, die vornehmlich aus Spaß und Ablenkung zu bestehen hat. Ohne SAVT keine Kraft.

Lebensfreudepartei (LF), 6 Prozent der Sitze im Parlament: Sich richtig verausgaben, mit voller Energie dabei sein, einen Marathon laufen, im Gras liegen und die Sterne beobachten, auf Parties verrückte Sachen anstellen, wild herumexperimentieren. Für sowas steht die LF, aber leider kommt sie zu selten zu Wort, da sie nur 6 Prozent auf sich vereinigen kann. Schade eigentlich.

Partei für Idealismus und Aszendenz (PIA), 8 Prozent der Sitze im Parlament: Wenn es nach der PIA ginge, würde ich mich heute schon so verhalten, als lebte ich schon in Neo-Utopia, was auch immer das sei - auf jeden Fall hört sich das toll und schön idealistisch an. Da wir nicht in Neo-Utopia leben, will die Partei diese Existenzform herbeiführen und zwar möglichst ohne Gewalt, mit Liebe und Hingabe und mit einem reinen Herzen. Und ich sollte immer nur das tun, was für einen Idealisten wie mich angemessen ist. Jajaja...

Stimme der Vernunft (SV), 10 Prozent der Sitze im Parlament: Klar, die Stimme der Vernunft hält sich für ganz toll, denn sie will eigentlich nur das beste für mich, denn das beste ist gerade gut genug. In sich ist diese Partei aber auch schon gespalten, denn es ist ja nicht klar, was denn das beste sein soll (also z.B. was denn Neo-Utopia eigentlich genau ist). Deswegen hält sie oft lange Parteitage ab und belastet damit das Budget des Geistes. Von außen betrachtet nennt man diese Parteitage Phasen des Grübelns, Nachdenkens und Philosophierens. Aber wenn sich die SV mal einig ist, dann will sie gleich den ganzes Geistestag für sich vereinnamen. Da die SV aber nur 10 Prozent der Sitze hat, gelingt ihr das nicht wirklich oft.

Wahnsinnspartei (Wahn), 3 Prozent der Sitze im Parlament: Es lebe der Wahnsinn! Revolution! Nihilismus! Fanatismus! Terror! Religion! Weltherrschaft! Vernichtung! Apokalypse! Und alles auf einmal! Hinter dem Wahn steckt ein enormes Kreativitätspotenzial, das sich aber nur selten entlädt, etwa bei einer Aktion, bei der ich beim Joggen ein Buch gelesen habe. Welch ein Glück, dass der Wahn in meinem Geistestag allzu selten das Sagen hat.

Insgesamt erklärt diese Zusammensetzung meines Geistestages warum ich nicht besonders Erfolgreich bin. Entweder hält mich die Pb von etwas ab, oder der SAVT lenkt mich ab oder beides zugleich. Da diese Parteien zusammen 70 Prozent der Sitze besitzen, kann sich kaum eine Alternative zur Politik des Gammelns und der Minimalerhaltung durchsetzen. Diese Erkenntnis hat mich am Mittwochabend entgültig in die Verzweiflung getrieben und ich habe minutenlang geweilt, geheult und geschluchzt wie selten zuvor. Ich war am Boden zerstört angesichts dieser vernichtenden Erkenntnis und deren ziemlicher Unabänderlichkeit.

Kommentar von Prof.Dr.Morpheus

Ich fand den Text gerade ziemlich lustig, auch wenn er vielleicht nicht so gedacht war. Erinnert mich vom Stil her an Terry Pratchett.

Wenn du der Analogie zum Parlament folgst, dann gilt aber auch: Jedes Volk hat die Regierung die es verdient...

28.8.2008 (Donnerstag): Eine Prise Aufklärung gefällig?

Eigentlich sind die Menschen nicht böse. Von Natur aus mögen sie vornehmlich egoistisch sein, aber das ist ja nicht a priori böse. Sie verhalten sich nur so, dass die Folgen ihrer Handlungen schlecht sind, weil die Menschen eben schlecht informiert und sich daher allzu leicht verblenden und irreführen lassen. Oder eben weil sie von einer Umwelt destruktive Meme aufgedrückt bekommen. Und diese Umwelt macht das auch nicht aus Bosheit, sondern vielmehr aufgrund von Systemzwängen, die letztendlich daraus resultieren, dass vor langer langer Zeit ein paar Menschen gewisse geniale Ideen hatten, deren negative Folgen sie wohl kaum abschätzen konnten.

Genug von diesem Vorlauf. Worum geht es? Meine Einleitung war zwar allgemein geschrieben, aber sie trifft auch auf das Phänomen des Speziesismus zu, den die meisten Menschen gar nicht als Problem wahrnehmen, sondern als gottgegeben oder natürlich betrachten. Das sind Anzeichen dafür, dass das Umprogrammieren des Denkens schon vor sehr langer Zeit stattgefunden hat. In diesem Fall reicht die Umprogrammierung schon bis in die Vorgeschichte der Menschheit zurück; also bis in die Zeit, in der die "Domestikation" der nichtmenschlichen Tiere stattgefunden hat. Ein für sich eine geniale Errungenschaft, in etwa so genial wie die Erfindung des Förderbands oder der Atombombe.

Charles Patterson beschreibt in seinem Buch "Für die Tiere ist jeden Tag Treblinka" - Über die Ursprünge der industrialisierten Tötens. wie die Domestikation schleichend zum moralischen Verfall der Menschheit geführt hat und nacheinander Kriege, Sklaverei, Massentierhaltung und schließlich die Shoa, den Holocaust der Juden ermöglicht hat. Aus einem bloßen Systemzwang, dem Zwang Tiere auszunutzen und zu töten hat sich eine notwendige Veränderung des Denkens und Fühlens der Menschen ergeben: Der Speziesismus, also die Erniedrigung, Entwürdigung und Entrechtung der nichtmenschlichen Tiere hat eingesetzt und alle früheren Formen des Umgangs mit den Mittieren verdrängt. Erst diese Veränderung des Denkens und Fühlens hat es nach Patterson ermöglicht, gegenüber Menschen ebenso grausam und ruchlos vorzugehen - Grausamkeit ist Grausamkeit. Ist man die Grausamkeit gegen nichtmenschliche Tiere gewohnt ist es auch kein wirklich großer Schnitt mehr zur Grausamkeit gegenüber seinen Mitmenschen, die man zur Elimination moralischer Skrupel als "Tiere" deklarieren kann. Diese Behauptung wird dadurch gestützt, dass viele der Organisatoren der nationalsozialistischen "Endlösung" der Judenfrage aus der Landwirtschaft stammten und dort bereits die notwendigen Erfahrungen im rücksichtslosen Umgang mit fühlenden Mitwesen sammeln konnten.

Mehr verrate ich an dieser Stelle nicht. Es lohnt sich aber, sich dieses Buch durchzulesen; auch weil es viel über Menschlichkeit in all ihren Formen verrät.

Aber es gibt auch noch andere dringliche Themen, auf die ich aufmerksam machen will, etwa auf die USA, ihr Imperium und die Mächte, die es lenken. Selbst als "Nicht-Verschwörungstheoretiker" wird der ein oder andere sicher davon mitbekommen haben, dass es beim 11. September einige Ungereimtheiten gab. Videos gibt es im Internet dazu zuhauf, etwa Loose Change. zunächst war ich auch nicht wirklich davon überzeugt, dass es sich dabei nicht nur um eine der üblichen erfundenen Verschwörungstheorien handelt, aber es gibt auch Stimmen aus Deutschland, die den 11. September als "False Flag Operation", also als von einem Geheimdienst inszenierte Aktion bezeichnen, etwa Jochen Scholz, ehemaliger Obestleutnant der NATO-Luftwaffe. Aber das alles ist eigentlich nur die Oberfläche. Viel tiefgreifender sind die Enthüllungen, die wir in einem Interview mit Aaron Russo erfahren und die erklären, wieso die Politik der USA inzwischen so verdammt bescheuert ist.

Aber wie gesagt, Menschen sind nicht a priori böse; es sind die Systemzwänge, die sie dazu machen. Der größte Systemzwang unserer heutigen Zeit ist der Kapitalismus und der basiert auf dem Geldsystem, das in einem schönen Zeichentrickfilm über Fabian den Goldschmied erklärt wird. Wer nicht mit dem kapitalistischen System mitzieht, den beißen die Hunde - selbst das "kommunistische" China musste sich dieser Einsicht beugen.

Meine persönliche Hoffnung ist es, dass sich in Zukunft ein effizienteres und humaneres System als der Kapitalismus durchsetzt, aber dazu werde ich vielleicht später irgendwann etwas schreiben.

Wer sich aber in der Politik wirklich den Durchblick bewahren will, für den habe ich eine grandiose Seite gefunden: Den Spatz im Gebälk. Tonnen von einsichts-, aufschluss- und kenntnisreichen Kommentaren zur politischen Entwicklung in der Welt lassen einen manchmal wirklich staunen.

Klar, man kann dies alles als Verschwörungskram abtun; es ist ja wohl auch nicht alles wahr, was hier und da behauptet wird, aber viele Mißstände unserer heutigen Welt lassen sich einfach nicht einfacher erklären als dadurch, dass die Superreichen meinen die Welt mit allen Mitteln beherrschen zu müssen ... was sollten sie auch sonst machen? Sich als wirklich große Wohltäter betätigen? Wenn dem so wäre, würden wir wohl kaum in einer solch schlechten Welt leben, oder?

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© Michael Hrenka, 2008