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Die Absurdität des Todes
Heute habe ich meine Lektüre von Camus Mythos des Sisyphos abgeschlossen. Dieses Werk spricht mit nur zum Teil aus der Seele. Dort geht es viel zu sehr um die Absurdität, die der Tod bedeutet, der scheinbare Zermalmer des Sinnes des Lebens. Früher, als ich noch jünger war, habe ich auch diese Absuridität empfunden; heute nicht mehr. Ich weiß nicht wieso. Wieso sollte der Tod absurd sein? Wieso sollte ein ewiges Leben es nicht sein? Was macht das für einen Unterschied? Vermutlich ist es möglich auf das "Problem" des Todes derart drastisch emotional zu reagieren, weil man doch eigentlich weiterleben will. Es ist wohl die scheinbare Unmöglichkeit der Erfüllung dieses Wunsches, die die Absuridität erzeugt, falls man denn davon ausgeht, dass es kein Leben nach dem Tod gibt. Vermutlich ist das der Grund, warum ich den Tod nicht für absurd halte, da ich ja von einem Leben nach dem Tod ausgehe. Aber was spielt das auch für eine Rolle? Wichtig ist es doch, wie ich hier und jetzt lebe und nicht, was in einer Welt passieren wird, die ich nicht kenne.
Die Absurdität der Unfreiheit
Mich bedrückt eine viel größere Absurdität, nämlich die der Unfreiheit. Während Camus es für gegeben erachtete, dass aus der Besinnung auf dieses einzige Leben die Freiheit folgt, so sehe ich ein, dass wir nicht einmal in dieser endlichen Existenz frei sind. Noch nicht. Denn wir sind nichts anderes als Biomaschinen, die man mehr, mal weniger gut funktionieren und uns praktisch nur um unsere eigenen Bedürfnisse kümmern können. Höhere Ideale spielen in der Wirklichkeit kaum eine Rolle, denn sie sind abstrakte Ideen ohne reale Kraft und Motivation - zumindest verglichen mit der Macht der Forderungen, die vom Imperativ des nackten Überlebens gestellt werden. Wollte ich ein ideales Leben führen, so müsste ich meine Ideale auf die elementaren Funktionen meiner tierlichen Natur reduzieren. Aber das will ich nicht, denn ich kann mir leicht "höheres" vorstellen. Dass das Höhere in dieser Welt nicht funktioniert, weder bei mir im Kleinen noch im Großen in der Gesellschaft und Politik, das ist die eigentlich bedrückende Absurdität. Ich würde am liebsten schreien und dem entgegenhalten, dass es doch nicht sein kann, dass alle Ideale vergeblich sind. Aber das würde nichts ändern.
Hoffnungslosigkeit
Meine Hoffnungslosigkeit ist eine folgerichtige Reaktion auf diese absurde Conditio. Eigentlich war die Hoffnungslosigkeit in meiner Ausweglosigkeit meine einzige Hoffnung, dass doch etwas Freiheit möglich ist. Aber dieses Paradoxon lässt sich leicht lösen: Es liegt keine echte Hoffnung in der Hoffnungslosigkeit, da sie nur der Aufschrei meiner Auflehnung gegen die Absurdität der Unfreiheit ist. Auflehnung gegen das Unabänderliche ist angemessener als die völlige Resignation, da letztere auf jeden Fall den Tod alles höheren Lebens bedeutet. Im ersteren Fall besteht noch die Möglichkeit, dass die Einschätzung der Lage als aussichtslos sich doch als falsch herausstellt. Das ist keine echte Hoffnung - oder sollte es zumindest nicht sein, denn Hoffnung bindet und macht somit unfrei. Ich habe meine Hoffnungen allesamt durch ein "schön wär's" ersetzt. Ich kenne keinen adäquaten Begriff dafür.
Die Absurdität der Auflehnung
Dass selbst die Auflehnung durch die Unfreiheit schon praktisch im Keim erstickt wird, das ist im übrigen eine weitere Absurdität, gegen die ich mich aufzulehnen wünsche. Ich komme mir lächerlich vor - egal, was ich tue. Lebe ich normal weiter, empfinde ich den maschinellen Charakter des Lebens als lächerlich. Versuche ich mich aufzulehnen, empfinde ich die Aussichtslosigkeit dieses Unterfangens als lächerlich. Dieses Leben ist dermaßen lächerlich und absurd, dass es wirklich zum Lachen wäre, wäre die Sache nicht so ernst.
Was bleibt?
Streben ohne Hoffnung
Auflehnung ohne Hoffnung
Lächerlichkeit ohne Ende
Universelle Nacktheit, Machtlosigkeit, Schwäche
Der Wunsch, dass das alles irgendwann ein Ende findet
Absurdität, Auflehnung, Auflehnung, Auflehnung!
"Mich bedrückt eine viel größere Absurdität, nämlich die der Unfreiheit."
mit notwendiger unfreiheit könnte ich mich ja noch abfinden...denn ohne unfreiheit keine freiheit, aber was mich bedrückt, sind die täglichen absurden unfreiheiten, die nur dazu dienen, eine veraltete, unspaßige und verblödete kultur aufrechtzuerhalten.
Heute ist die Online-Weltpremiere des Films Coming Soon. Dies ist eine Dokumentation über eine Gruppe, die für die Rechte der Zoophilen eintritt, die E.F.A., also Equality For All.
Eigentlich ist diese Organisation nicht echt, sondern eine Idee der Filmemacher - oder zumindest angeblich. Dennoch gibt es diese Homepage und momentan geht es im Forum ziemlich ab. Etwa 200 der 500 Einträge wurden erst heute gepostet.
Ich weiß leider nicht, wie lange es den Film noch kostenlos online geben wird. Aber es gibt die Film-DVD bald im Handel, also ist es kein Beinbruch, wenn man diese Gelegenheit verpasst.
Neben dieser erfreulichen Premiere gibt es noch andere News: Der UNO Menschenrechtsrat spricht sich implizit gegen die Meinungsfreiheit aus!
Meine fundamentale Krise habe ich nun erst einmal überwunden. Nun beschäftigt mich das größte aktuelle globale Problem überhaupt: Der Holocaust. Damit meine ich nicht den glücklicherweise nicht vollständigen Völkermord an den Juden und anderen Minderheiten im Verlauf des 2. Weltkriegs, sondern die industrielle Massentierhaltung und ähnliche Auswüchse der Mißachtung der Würde des Tieres. Es geht also um den Holocaust der Tiere, der zumindest quantitativ über 100 000 Mal verheerender ist als der "menschliche" Holocaust, wie man etwa auf der Seite Animal Holocaust sehen kann. Qualitativ ist der Holocaust der Tiere ebenfalls in gewisser Hinsicht erschütternder als der Holocaust der Menschen, da der Großteil der Bevölkerung über diesen Holocaust bescheid weiß, aber dennoch nichts dagegen unternimmt und ihn sogar noch finanziell fördert! Im Dritten Reich haben die Nazis zumindest versucht, die Massenvernichtungen als Deportationen zu maskieren; heutzutage gibt es keine Maskerade, sondern höchestens Beschönigungen und Placebo-Tierschutz-Gesetze.
Dahinter steckt ein unglaublich destruktives Mem: Das Mem des Chauvinismus, also dem Glauben an die Überlegenheit der eigenen Gruppe, das ist in diesem Fall die Menschheit. Im Falle des menschlichen Chauvinismus spricht man seit Peter Singer's Einwürfen vom Speziesismus. Allerdings reicht der Chauvinismus als Mem nicht aus, um wirkliche Katastrophen herbeizuführen. Im Prinzip wäre es denkbar, dass jemand denkt, er sei in irgendeiner Weise überlegen, ohne sich dadurch jedoch irgendwelche Privilegien abzuleiten. Letzteres wird aber leider gerne getan und das bezeichne ich als das Blankoscheck-Mem: Die Idee, dass irgendein abstraktes Konzept es einem erlaubt, ungestraft jede Abscheulichkeit zu begehen, die einem gerade in den Sinn kommt. Tatsächlich war und ist der Blankoscheck-Chauvinismus verantwortlich für die größten Perioden des Leidens und der Unterdrückung auf diesem Planeten - Beispiele dafür sind hinreichend bekannt. Momentan leben wir in der Persiode des Blankoscheck-Speziesismus und des Holocausts der Tiere. Es ist kaum eine größere Herausforderung denkbar, als diesen Holocaust zu beenden, obwohl es doch so einfach wäre, wenn sich das Denken der Menschen nur ein klein wenig verändern würde.
Ich kann es eigentlich kaum fassen, wie indifferent oder zurückweisend die meisten Menschen auf dieses Thema reagieren. Die einzig logische Erklärung ist, dass die meisten Menschen einfach einen völligen Dachschaden haben. Meine Vermutung diesbezüglich ist, dass sich der gewöhnliche Mensch durchaus unterschwellig einer diffusen Schuld bewusst wird, aber es nicht wagt, Gedankengänge zu verfolgen, die diese Schuld ans Tageslicht befördern könnte, denn das wäre nun wirklich sehr unangenehm. Also fügt sich der Ottonormalmitläufer in das Schicksal, das er mit der Mehrheit seiner Artgenossen teilt und macht weiter wie bisher - vielleicht aus Angst sonst verrückt zu werden. Diese Woche habe ich mit einer Kommilitonin über dieses Thema diskutiert und ihr beim Mittagessen vorgehalten, dass ihr Essen für sie gestorben sei. Darauf meinte sie in etwa, dass sie schon schuldig sei und sowieso in die Hölle komme (wahrscheinlich nicht ohne eine ordentliche unterschwellige Portion Ironie), dass sie aber wenigstens darin konsequent sei, im Gegensatz zu mir, der ich ja auch Lebensmittel aus der Mensa essen würde, wo ich mir nicht sicher sein könnte, ob dort tierliche Inhaltsstoffe enthalten seien (Nudeln z.B.). Auf meine Erwiderung, dass sie allerdings weitaus schuldiger sei als ich, meinte sie lediglich, dass es keine Steigerung von Schuld gebe. Ich halte diese Ansicht für sehr symptomatisch: Man hat keine reine Weste, also kann man sich sowieso alles erlauben ohne weitere Schuldgefühle zu bekommen. Exakt diese Haltung stabilisiert bei denjenigen, die wenigstens einsehen, dass ihr Verhalten nicht "optimal" ist, ihre eigene Haltung und verhindert ein Ausbrechen aus dem Teufelskreis der "Schuld". Damit macht es sich die Fleischfresserfraktion allerdings zu bequem.
Es gibt aktuell einfach nichts wichtigeres aus sich gegen den Holocaust aufzulehnen. Viele der momentan von den Medien hochgepushten Probleme sind Pipifax verglichen mit dem Holocaust und der bald hereinbrechenden technologischen Singularität, welche von den Medien natürlich bequem umgangen werden. Oftmals wird sogar ein Vergleich des Holocausts der Tiere mit dem Holocaust der Menschen für absurd und beleidigend erklärt. Hallo? Geht's noch? Wenn man nichts sinnvolles zu sagen hat, erklärt man einfach alle Argumente, die einem nicht passen für absurd. Das ist ein Zeichen allergrößter Dummheit und sonst nichts.
Was die Menschheit sich mit diesem Holocaust angetan hat, ist unbeschreiblich. Alles wird von ihm in den Schmutz gezogen: Die Kultur des Menschen wird angesichts des Leides, das der Mensch produziert, zur Farce. Die Würde des Menschen wird zur Unkenntlichkeit reudziert und anulliert, so dass ich es als tiefe Schande empfinde, als Mensch geborden worden zu sein. Und dennoch tut die Mehrheit immernoch so als wäre doch alles in Ordnung. So wird die Welt der Menschen zur globalen Irrenanstalt aus der es kein Entkommen zu geben scheint. Was hat der Mensch nur mit sich und seiner Welt getan? Es wäre ein absoluter Euphemismus die menschliche Zivilisation als einen riesigen Haufen Scheiße zu bezeichnen. Die Realität ist leider viel schlimmer.
Also was tun? Am liebsten würde ich der Fleischfressern offiziell den Krieg erklären, aber leider gibt es keine Armee, der ich mich anschließen könnte. Und Widerstandsgruppen wie die A.L.F. (Animal Liberation Front) können auch nicht effektiv gegen den Holocaust vorgehen, denn ihre Handlungen sind nur ein Tropfen auf den heißen Stein. Selbst wenn Tierbefreiungen sich zum Volkssport ausweiten würden, wären die Auswirkungen quantitativ vernachlässigbar. Radikalere Aktionen wären zwar theoretisch effektiver, hätten aber zur Folge, dass die Öffentlichkeit leicht von der Meinung infiziert werden kann, dass es sich bei den Aktivisten um nichts weiter als verrückte Terroristen handle.
Einzig die Intensivierung des gewaltfreien memetischen Krieges bleibt als vernünftige Alternative. Ich denke, es tut Not wirklich nachdrücklich zu betonen, dass das Thema verdammt wichtig ist, ansonsten wird es im Handumdrehen unter den Teppich gekehrt! Nur wenn diese Message ausdauernd von allen, die sich gegen das System der Tierausbeutung auflehnen, wiederholt und bekräftigt wird, gibt es eine Chance, dass sich schnell etwas ändern wird. Um die Wichtigkeit des Problems hervorzugeben, bezeiche ich von nun an nur noch den Holocaust der Tiere als eigentlichen Holocaust. Im Gegensatz dazu werde ich den im deutschen Sprachraum weniger gebräuchlichen Begriff der Shoa (hebräisch für "Unheil", "große Katastrophe") für die Ereignisse während des zweiten Weltkrieges verwenden. Niemand kann mich daran hindern!
Lehnt euch auf! Los geht's!
Heute fühle ich mich irgendwie aufgedreht und effektiv. Aber das ist nicht genug. Ich fühle mich trotzdem so, als ob ich keinen Millimeter vorwärts komme. Wo will ich auch hin? Was ich tue, sind nur Nebensächlichkeiten. Aber immerhin bekomme ich einige von diesen hin, wenn auch längst nicht alle, die mir wichtig wären. Ich war schon seit etwa nem Monat nicht mehr im Fitnessstudio. Egal. Achja, ich muss noch Studiengebühren überweisen - *nerv*. Und ich muss mir noch überlegen, wie ich am besten nach Köln zum Amphi Festival komme: Auto, Zug, per Anhalter durch Deutschland, Teleportation?
Mich nerven diese unerledigten Details, aber wenn ich ehrlich bin, suche ich mir gleich neue Sachen, die ich "unbedingt" machen will, wenn ich mal nichts zu tun habe. Die ewige Arbeit des Sisyphus eben.
Es ist Sommer, es ist zu heiß.
Manchmal habe ich das Gefühl, die Gedanken rasen im Turbomodus durch meinen Geist. Leider heißt das noch lange nicht, dass diese Gedanken klar wären. Muss wohl so eine Art Gedankenrausch sein. Fühlt sich gut an. Es wäre mir recht, wenn die Welt im Zeitlupentempo vor meinen Augen ablaufen würde. Dann hätte ich mehr Zeit meine Gedanken zu ordnen. Trotz Mathestudium fühlt sich mein Geist noch etwas unordentlich an. Dasselbe kann ich von meinem Zimmer sagen. Es liegt einfach überall zu viel Kram herum, den ich fast nie brauche oder vor dem ich hoffe, ihn irgendwann in der Zukunft noch einmal brauchen zu können - achso, ich wollte ja nichts mehr hoffen - dieses Prinzip ist noch nicht in allen Ecken meines Geistes angekommen.
Eigentlich sollte ich einsehen, dass ich nicht in der Lage bin, irgendetwas bedeutendes zu unternehmen - also etwas in der Art, von dem ich sagen könnte, es sei genug. Mein Leben ist charakterisiert durch ein Übermaß an Wünschen, für deren Realisierung ich insgsamt nicht genug Zeit habe. Ich müsste irgendwie mehr Leute sein. Aber wenn ich mehr Leute wäre, hätte ich wohl noch mehr Wünsche. Ein Teufelskreis. Also wird die Lösung darin liegen, mich damit abzufinden, dass viele meiner Wünsche vergeblich sind: "Was ich will, ist unmöglich." Aber vielleicht ist das auch gar nicht schlecht. Wenn ich alles erreichen würde, was ich mir vornehmen würde, wäre mein Leben auch irgendwie seltsam; also in der Weise, dass ich denken müsste: Irgendetwas stimmt hier nicht, denn alles läuft viel zu gut.
Vielleicht muss das Leben einfach mittelmäßig sein, um sich "korrekt" anzufühlen. Natürlich ist das Gefühl der Korrektheit nicht diesen Preis wert. Aber welche andere Option habe ich denn? Eben - keine. Ich werde mich trotzdem weiterhin auflehnen. Mittelmäßigkeit ist ja nicht genug.
Gibt es Gründe für ethisches Verhalten, die irgendwie zwingend wären? Nein! Leider! Verdammt und zugenäht! Schaut euch doch mal um! Wenn es so wäre, würden wir nicht in so einem Schlamassel stecken! Ok, zurück zum Anfang.
Ethik vs. Moral
Was ist Ethik? Eine Theorie in der es darum geht, wie man richtig gut leben kann, nenne ich Ethik. Häufig wird die Ethik mit einer ihrer schäbigen Entartungsformen, der Moral verwechselt. Eine Moral ist ein Wertegefüge, das nicht rational begründet ist, sondern sich aufgrund peinlicher Zufälle in die Bewusstseine der gemeinen Bevölkerung eingeätzt hat. Moral und Ethik sind prinzipiell ziemlich unabhängig. Offenbar ist Moral weitaus verbreiteter als wirkliche Ethik. Leider.
Ethik vs. keine Ethik
Aber wieso meine ich nun, dass es keine zwingenden Gründe für ethisches Verhalten gibt? Nun, das hängt mit der schwierigen Beziehung zwischen Theorie und Praxis zusammen. Nach der Theorie sollte ein ethisches Leben besser sein als ein unethisches. Aber praktische Erfahrungen scheinen immer wieder das Gegenteil dieser Ansicht zu suggerieren, denn der Rücksichtsloseste setzt sich in unserer Welt leider am häufigsten durch. Während der ethisch denkende und handelnde Mensch das Risiko eingeht, auf dem Weg zur besseren Leben das schlechtere zu erwischen, ist sich der unethische Mensch dafür zu fein und versucht es gar nicht erst, "etwas besseres" zu wollen, etwa weil er durch dieses Bestreben möglicherweise ernsthafte Nachteile in Kauf nehmen müsste.
Ethik als Risikobereitschaft
Folglich liegt die Trennlinie zwischen ethischem und unethischem Verhalten im Prinzip in der Risikobereitsschaft in Bezug auf ein ethisch - also ganzheitlich - besseres Leben. Während ethische Menschen wirklich waghalsig sind, sind unethische Menschen einfach feige bzw. riskikoscheu. Dadurch wird die Frage nach der Bejahung oder Verneinung der Ethik auf die Frage nach einer Persönlichkeitsdisposition reduziert.
Ewigkeitsgarantie für den Krieg der Meme
Demnach kann man nicht davon ausgehen, dass alle Menschen - durch irgendwelche rhetorischen Tricks oder sonst etwas - zu einer ethischen Position bewegt werden können. Deswegen muss jede Ethik mit der Tatsache fertigwerden, dass die Menschheit in mindestens zwei Lager gespalten ist, wobei mindestens eines dieser Lager eben diese Ethik ablehnt. Damit wären wir wieder beim Krieg der Meme angelangt. Da es wohl immer Individuen geben wird, die partout unempfänglich für ethische Argumentationen sind, muss der Krieg der Meme immer wieder gewalttätige Formen annehmen: "Sei ethisch oder unterwirf dich unter unsere Gewaltherrschaft!" bzw. "Sei unethisch oder unterwirf dich unter unsere Gewaltherrschaft!" Ich wünschte, wir könnten diesen finsteren Aussichten irgendwie entkommen, aber das wäre unrealistisch.
Persönliches Fazit
Tja, wer beständig nach der Wahrheit sucht, findet vielleicht tatsächlich die Gründe, warum unserer Welt von Finsternis und Grausamkeit beherrscht wird. Leider liefert das Wissen um diese Gründe kein Mittel, um diese Gründe zu beseitigen. Ergo: Die Welt ist schlecht und sie wird auch schlecht bleiben!
Was bleibt? Absurdität => Auflehnung, Auflehnung, Auflehnung!
Ich könnte jetzt ein paar Überlegungen über das Langzeitverhalten des Krieges der Meme anstellen. Aber das wäre müßig. Ich weiß dafür einfach viel zu wenig über memetische Dynamik. Solche Fragen werde ich vielleicht dann angehen, wenn mein Geist wesentlich leistungsfähiger sein wird. Bis zum Ende des Zeitalters der Tiere spielen solche Überlegungen sowieso keine große Rolle.
Also, was mache ich in meiner Restzeit als tierliches Wesen? Mich gegen den Holocaust auflehnen! Wieso ausgerechnet dagegen? Es gibt aus utilitaristischer Sicht einfach kein dringlicheres Problem. Diese Periode meines Lebens erkläre ich zur ethischen Revolte gegen den Holocaust und daran angehängt auch gegen ein paar andere Problemchen. Etwas anderes macht in meiner Situation keinen Sinn mehr. Ich habe mich geistig schon so weit entwickelt, dass es lächerlich wäre, wenn ich mich nur um gewisse Problemchen kümmern würde, die nur dieses Individuum (oder nur gewisse Gruppen oder nur die Menschheit) betreffen.
Heute habe ich mir wieder viel Forenquatsch durchgelesen. Eigentlich ist das Zeitverschwendung. Internetforen sind zu ineffektiv. Es wird nur gelabert - mit viel Glück auf hohem Niveau - aber dabei kommt eben nicht viel raus. Internetforen werde ich Zukunft daher zu meiden wünschen. Viel sinnvoller wäre es, wenn ich mich materiell mit ein paar Leuten treffen würde, um die ethische Revolte voranzubringen. Aber ich bin noch auf der Suche nach einer geeigneten Gruppe, da ich erst jetzt Klarheit über meine Prioritäten besitze.
Es ist ein Fehler aufzugeben, weil man nicht vom Erfolg einer Aktion überzeugt ist. Natürlich können alle individuellen Aktionen nur Tropfen auf den heißen Stein sein. Aber wenn jeder von der Aussichtslosigkeit der Situation überzeugt wäre und sich dennoch für die ethische Revolte einsetzen würde, hätten wir schon praktisch gewonnen. Wer nichts erwartet, kann nicht enttäuscht werden. Wer die Hoffnungslosigkeit und die ethische Revolte zum Lebensprinzip erhebt, dem ist ein erfülltes und spannendes Leben gewiss.
Was ist Leben? Auflehnung, Auflehnung, Auflehnung!
Genau dies muss auch die Grundlage jeder ethischen Gesellschaftsordnung sein. Der Mangel an Auflehnung führt zur Degeneration, zur Ungerechtigkeit, zur Tyrannei, zum universellen Leiden. Konformismus führt zum Untergang. Auflehnung ermöglicht eine positive Evolution.
Auf zur Auflehnung!
Nach längerer Zeit will ich hier auch mal wieder etwas schreiben. Und zwar über meine Beobachtung, dass sich Genetik und Memetik verallgemeinern lassen und dadurch zu einem umfassenden System ausgebaut werden können: Dem System der Selmetik. Als Selm bezeichne ich ein Strukturelement, genauer gesagt ein strukturbestimmendes Element. Gene bestimmen die Struktur biologischer Lebensformen, während Meme die Struktur der Existenz allgemeiner Geistesformen (z.B. von intelligenten Tieren oder Gesellschaften) bestimmen.
Dahinter steckt das Prinzip, das ein kleiner Teil die Dynamik eines großes Systems bestimmt. Im Grunde muss man nur die Selme und gewisse externe Faktoren kennen und verstehen, um in etwa vorhersagen zu können, wie sich ein System entwickeln wird. Genetische und Memetische Entwicklungen werden durch das Prinzip der Evolution bestimmt. Evolution ist damit kein rein biologischer Vorgang, sondern auch ein psychologischer Prozess, sowohl individuell als auch gruppendynamisch. Ein Individuum kann durch Reflexion seine eigene Memkomfiguration in gewissem Ausmaß verändern, während im Großen und Ganzen die Meme durch die gesellschaftliche Dynamik bestimmt sind, die eigentlich die Dynamik der Meme im Wechselspiel mit externen Faktoren ist. Wie Gene können sich Meme in gewisser Weise reproduzieren und mutieren. Nicht erfolgreiche Meme werden schließlich wegselektiert. Unser Geist ist Gefangen im Spiel der Evolution. Heureka! Die memetische Evolution ist im Prinzip das, was ich oft als Krieg der Meme bezeichnet habe. Letzerer Begriff stellt klar, dass es sich dabei nicht wirklich um einen besonders friedfertigen Prozess handelt.
Bringt der Begriff der Selmetik etwas Neues? Möglicherweise. Immerhin haben gibt es ein allgemeines selemetisches Prinzip: Das der Evolution. Nun könnte man sich verschiedene Fragen stellen:
Zumindest zur zweiten Frage habe ich mir ein paar Gedanken gemacht. In der Frühzeit des Kosmos haben allein die grundlegenden physikalischen Gesetze eine Rolle gespielt und zur Bildung von Galaxien, Sternen und schließlich Planeten geführt. Die Selme der Astronomie dürften in diesem Fall eben diese Objekte sein: Planeten, Sterne, Galaxien, Galaxienhaufen, Galaxiensuperhaufen, deren Dynamik hauptsächlich durch die Gesetze der Mechanik bestimmt ist. Allerdings ist es fraglich, ob hier das Prinzip der Evolution anwendbar ist.
Nach dieser hauptsächlich mechanischen Angelegenheit der Entstehung der Himmelskörper ist der nächste interessante Schritt die Entwicklung des Genoms und des Proteoms, die beide im Wechselspiel mit den Gesetzen der Chemie die Evolution der Lebewesen ermöglicht haben. Bis es aber soweit kam, mussten sich erst die passenden organischen Moleküle entwickeln und solange Wechselwirken, bis ein funktionierender Replikationsapparat vorhanden war. Folglich sind die Selme der Zwischenphase zwischen Kosmologie bzw. Astronomie und der Genetik die organischen Moleküle, die sich im Laufe der Zeit entwickelt haben. Auch hier könnte man fragen, ob diese Entwicklung irgendwie durch das Prinzip der Evolution beschreibbar ist. Darüber weiß ich zu wenig. Andere Leute sollen sich meinetwegen darüber den Kopf zerbrechen.
Wird der Krieg der Meme ewig weitergehen? Nicht notwendigerweise. Die Geistheit könnte sich dummerweise selbst auslöschen; dann wäre alles vorbei. Ein anderes Ende wäre das Finden eines universellen memetischen Konsenses. Dieser Konsens impliziert insbesondere eine universelle Ethik, wobei ich schätze, dass es sich dabei um eine Art Konsequentialismus oder spezieller eine Art Utilitarismus handeln könnte. Würden alle einsehen, dass diese Ethik toll ist und sie auch leben, wäre alles in bester Ordnung.
In diesem Fall würde dann nämlich aller voraussicht nach ein fortwährendes Zeitalter des universellen Friedens eintreten, womit die Grundlage für die reale Umsetzung aller ernsthaften Utopien geschaffen wäre. Aber wie kommen wir zu diesem Konsens?
Was ist das Hauptproblem? Die Beschränktheit des Denkens oder genauer gesagt die Beschränktheit des Egos, also der individuellen Identifikation. Erst eine apeironale Identifikation kann zu einer echten tiefen Verwurzelung einer universellen Ethik führen. Apeironal ist eine Identifikation, wenn sie durch nichts begrenzt ist, also muss sie mindestens frei sein von:
Bis die Geister das nicht begriffen haben, wird die Welt schlecht bleiben. Da gibt es kein Entkommen, kein Entrinnen. Denn eine Person kann natürlich vorgeben ethisch zu sein, aber hinterrücks doch unethisch zu handeln, um sich einen Vorteil zu erschleichen. Allerdings gilt das nur für Personen, die noch kein apeironales Ego haben.
Offenbar ist es noch ein extrem weiter Weg bis zu diesem Zeitalter des universellen Friedens. Wie kommen wir dorthin? Durch Bildung und Aufklärung. Und zwar auf einem noch nie dagewesenen Level. Alle bisherigen Formen der Versuche der Menschenverbesserungen waren ausgesprochen unzulänglich. Eine wirklich hinreichende Bildung muss individuell wirken und verbessern. Aber dafür fehlen bislang natürlich die Mittel. In einer Gesellschaft in der Wert auf eine optimalle Erzeihung gelegt wird, muss die Betreuungsquote extrem hoch liegen, also bei mindestens einem VOLLzeiterzieher (d.h. realistisch gesehen mindestens 3 "Vollzeiterziehern") pro zu Erziehendem! Vergesst die Informationsgesellschaft! Wir brauchen eine Bildungs- und Aufklärungsgesellschaft!
Ein Punkt dabei ist natürlich wichtig: Die Geistheit darf sich dazu nicht zu schnell vermehren, d.h. neue Geister generieren. Eine Form der expliziten oder impliziten (optimalerweise freiwilligen) Generierungsbeschränkung ist für eine friedfertige, universell ethische und stabile Gesellschaft unbedingt notwendig!
Bis allerdings diese hohe Bildungs- und Erziehungsquote erreicht ist, müssen wir uns mit dem besten zufriedengeben, das wir momentan erreichen können: Größtmögliche multimediale, multidimensionale Aufklärung. Inzwischen habe ich eingesehen, dass die allerwenigsten Menschen direkt über ihr Gewissen, ihr Mitgefühl oder ihre ethische Vernunft ansprechbar sind (den meisten Menschen ist wirklich ethisches Denken und Handeln so fremd wie das Atmen unter Wasser ohne technologische Hilfsmittel). Daher sollten auch alle anderen (also indirekten) Mittel verwendet werden, um die Menschen in Richtung ethischer Lebens- und Denkweisen zu bewegen. Kein noch so gutes ethisches Argument kommt allein gegen die Macht des Status Quo an.