Blog Archiv: Die Welt ist schlecht Juni 2008

FREIDENKER-WARNUNG

Wenn du dich nicht mit extrem unkonventionellen Ansichten auseinanderseten willst, dann verlasse diese Seite sofort. Andernfalls droht dir die Gefahr, dass du dich psychischem Stress aussetzt und dein Weltbild zusammenbricht. Wenn du dir die Texte auf dieser Website durchliest, nimmst du das Risiko in Kauf zum Nachdenken gebracht zu werden. Bei Menschen, die dies nicht gewohnt sind, kann dies zu schweren unwillkürlichen psychischen Abwehrreaktionen führen. Zur oberflächlichen Symptombehandlung reichen im Normalfall aber Verdrängung, Antidepressiva und Psychotherapie völlig aus.

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5.6.2008 (Donnerstag): Gewohnheiten

Mir wird mal wieder klar, dass 99,9% aus Gewohnheiten besteht. Die restlichen 0,1% machen wir vielleicht etwas anders als wir es sonst immer tun. Aber dazu muss man schon ziemlich gut drauf, abgrundtief verzweifelt oder in einer sonstigen emotionalen Extremsituation sein. Das dumme an Gewohnheiten ist, dass man leicht schlechte Gewohnheiten erwirbt und schwer wieder losbekommt und es sich bei guten Gewohnheiten geade umgekehrt verhält.

Als ich letzte Woche krank geworden bin, habe ich angefangen bei kongregate.com verschiedene Games zu zocken. Bis jetzt konnte ich mit diesem Quatsch nicht aufhören, auch wenn's mir langsam echt mal genug mit den Computerspielen ist und mir die ganze Sache aus den Ohren raushängt. Aber das ist eine meiner großen Schwächen: Solche unsinnigen Ablenkungen werden bei mir schnell zur Gewohnheit und diese bekomme ich nicht nur langsam wieder los. Meine sonstigen Anstrengungen lassen sich in etwa mit dem Begriff Minimalerhaltung beschreiben. Ich bin so unzufrieden mit mir :(

Die Zukunft sieht düster aus. Ich weiß nicht, ob ich aus diesem allgemeinen Sumpf schlechter Gewohnheiten rauskomme und ob es mir gelingen wird, dauerhaft gute Gewohnheiten in mein Leben einzubauen, die mich voranbringen. Irgendwie fühle ich mich, als würde ich praktisch universell resignieren. Menschliche Schwächen sind leider unglaublich stark. Fast mein ganzes Leben habe ich nach einer Lösung für dieses Problem gesucht. Langsam fürchte ich, einsehen zu müssen, dass es keine Lösung gibt. Das einzige, was uns retten kann, ist eine bessere Zukunft. Und das Glück, dass wir eine solche erleben werden.

Kommentar von sandu

hey du.. nich verzweifeln. (naja oder vielleicht doch, weil das motiviert..)
ich jedenfalls hatte in letzter zeit genau das gleiche erfahren muessen: die gewohnheiten sind sehr stark. wie konservative parteien eben, die in einem herrschen, und die ganze macht ueber das system haben.
aber ich glaube trotzdem, dass man sie aendern kann. es geht nur langsam und bedarf viel zeit und wird auch immer wieder schritte zurueck mit einschließen..

sehr hilfreich ist dabei in der tat auch die idee, sich ein passendes umfeld zu schaffen, eines das einen an bessere ideale erinnert und einem lust darauf macht. und ein umfeld, das schlechte gewohnheiten foerdert, bestens vermeiden..
vielleicht wird es mit dem plateau ja noch so ;)

16.6.2008 (Montag): Ultimative Resignation

Ok, heute ist es passiert. Wieder ein Anfall tiefster Verzweiflung. Ich weiß gar nicht genau über was, aber auf jeden Fall spielt meine Willensschwäche da eine große Rolle. Ich habe mir ein paar nette Optionen durch den Kopf gehen lassen:

Ok, das waren jetzt extreme Optionen, die ich noch nicht ausprobiert habe. Aber das ist alles sinnlos und wird daher von meinem vernünftigen Verstand verworfen. Dagegen kann ich einfach nicht angehen. Was mache ich stattdessen? Nun, all meine Versuche, meine elementaren Probleme zu lösen, waren schon immer von keinem nachhaltigen Erfolg gekrönt. Alles, was ich jetzt noch versuchen könnte, ist ziemlich aussichtslos. Nach vielem hin- und her habe ich mich dazu entschlossen, doch ultimativ und endgültig zu resignieren. Natürlich nicht ohne Stil. Ich nenne das die dritte Ebene des negativen Denkens. Damit kann ich nun präsentieren:

Die drei Prinzipien des negativen Denkens

  1. Das geht schief!
  2. Mein Leben ist Leiden!
  3. Was ich will, ist unmöglich!

Ok, wie sieht das in der Praxis aus? Zunächst einmal ist zu bemerken, dass das negative Denken als Motivationstechnik gedacht war. Aber aus Prinzip 1 folgt schon, dass das nicht funktioniert. Ich will meinen Willen eigentlich durch mentale Techniken stärken. Prinzip 3 sagt mir, dass das unmöglich ist. Ergo folgt daraus, dass ich für immer unter meiner Willensschwäche zu leiden habe, was prima mit Prinzip Nummer 2 übereinstimmt.

Also, was will ich eigentlich so?
0. Meine Willensschwäche endlich irgendwie überwinden.
1. Mit Pferden zusammenleben.
2. Sci-Fi Bücher schreiben.
3. So lange leben und so wohlhabend werden, dass ich meinen Geist digitalisieren lassen können werde. Eigentlich wollte ich früher noch andere Sachen wie:
4. Die Welt verstehen.
5. Die Welt verändern, also verbessern.
Aber das ist nun wirklich völlig utopisch. Ich verstehe nicht einmal mich selbst. Und mich selbst zu verändern, hat auch nie den erhofften Erfolg gebracht, naja fast nie.

Aber ich kann ja beruhigt sein, dass mir das dritte Prinzip des negativen Denkens offenbart, dass all meine Ziele töricht und vergeblich sind, weil es mir unmöglich ist, sie zu erreichen. Ich werde immer einen schwachen Willen haben. Eher lande ich wegen irgendeinem Unsinn im Gefängnis als dass ich irgendwie mit Pferden zusammenleben könnte. Und ich werde niemals irgendeine Zeile schreiben, die irgendetwas mit Sci-Fi zu tun hat. Ehe ich meinen Geist digitalisieren lassen kann, werde ich wohl an den Folgen meines Unglücks sterben, wahrscheinlich an Herzversagen ausgelöst durch andauerndes Leiden an der Welt und dem eigenen Unvermögen. Die Welt kann man sowieso nicht verstehen. Und verändern lässt sie sich eh nicht. Alles ist ans trübe Schicksal gebunden, das durch blinde Naturgesetze erzeugt wird, welche man wie schon erwähnt nicht verstehen kann.

Aus mir wird nie irgendetwas Sinnvolles werden. Mein Leben ist völlig vergeudet. Verschwendetes Talent, das sowieso nie real existiert hat. Sinnlos und leer. Ohne Sinn und Zweck. Das steht jetzt schon fest. Den Rest meines Lebens werde ich meine erbärmliche tierliche Existenz fortführen und in dem Sumpf menschlicher Schwächen stecken bleiben, egal ob ich es zu sterben satt haben werde oder nicht. So sieht's aus. Und dagegen lässt sich leider auch nichts machen. Ich hab's versucht. Bringt nix. Ich dachte, es wäre ales so einfach, aber ich wurde eines besseren belehrt. Was einfach erscheint, ist in Wahrheit zu oft unmöglich. Zumindest die Gödel'schen Unvollständigkeitssätze sind ein Beispiel dafür.

Was soll ich dazu noch sagen? Ich nehm's zumindest mit etwas Humor. Mir bleibt ja sonst nicht viel anderes übrig.

Mögen die Zukünfte uns erheben!
Das ist zwar unmöglich, aber was soll's.

17.6.2008 (Dienstag): Streben ohne Hoffnung

Mein ganzes neues Leben lang, also die Zeit nach meiner Gipfelerfahrung, habe ich mir immer gesagt, dass ich lieber sterben würde, als aufzugeben. Habe ich aufgegeben? Wenn ja, wäre das ein fürchterlicher Verrat an meinem damalsigen naiven Selbst. Aber was kümmert mich ein naives selbst in der Vergangenheit? Bin ich ihm irgendwie verpflichtet? Nein. Und selbst wenn. Ich könnte mich einfach für tot erklären. Mein neuestes Leben wäre dann mein Tod. Ein Stückchen fühle ich mich so. Halb vom Leben ausgespruckt und in den Tod geworfen und halb wiederbelebt in einer neuen, absurden Welt, nein Wirklichkeit.

Aber in Wahrheit hat sich gar nicht so viel verändert, meine Ziele bleiben die alten. Allein der Modus meines Strebens hat sich verändert. Ich habe keine Hoffnung mehr. Hoffnung ist in meiner Situation und nach meinem Welt- und Wirklichkeitsverständnis einfach nicht mehr angemessen. Meine Ziele aufzugeben, wäre sinnlos. Sie zu erstreben, ist hoffnungslos. Letzteres ist nicht so schlimm, wenngleich absurd. Mich spricht die Philosophie des Absurden von Camus an. Aber natürlich ist sie unvollkommen und muss von mir an meinen Realitätskomplex angepasst werden.

Immerhin ist die Erlösung eine echte Möglichkeit. Sie besteht in einer Existenz nach dem Zeitalter der Tiere. Wie auch immer sowas aussehen mag. Singularität und Tod/Transzendenz. [Kein Gott.] Darin besteht an sich aber keine Hoffnung. Beide sind ein Roulette, dessen Ergebnis einen in eine Welt wirft, die deutlich besser sein könnte als die jetzige (also doch lieber keine Hoffnung darin setzen). Eine Welt, in der die Freiheit nicht so unvorstellbar beschränkt ist, wie in dieser.

Dennoch:
Streben ohne Hoffnung - bis dahin (und im Notfall auch darüber hinaus).

Das Leben ohne Illusionen ist unerträglich. Allein mit der Illusion der Hoffnungslosigkeit kann ich mein Leben noch ertragen. Die Zeit rein vernünftiger Philosophie ist abgesagt, es lebe das halb-rationale, halb-verrückte. Macht auch mehr Spaß.

Ich fühle mich furchtbar und gut. Traure über meinen Tod, erfreue mich an meinem Leben. Alles ist nun gleichzeitig. Und das fühlt sich normal an. Das ist meine neue Normalität.

29.6.2008 (Sonntag): Zwischenbericht

Teil 1

Nach meiner katharsischen ultimativen Resignation und meiner neuen Philosophieidee des Strebens ohne Hoffnung, ist es mir inzwischen wieder einigermaßen gelungen, mein Denken wieder einigermaßen sinnvoll zu ordnen - was ich unter anderem einer katalytisch wirkenden Diskussion mit Michael Fuchs zu verdanken habe.

Lokalisierung
Wo stehe ich nun also? In den letzen Wochen habe ich in Frage gestellt, ob meine bisherigen Ansätze - vor allem der der Vernunft und meines nachfolgenden Ersatzkonstrukts, der Aszendenz - mich überhaupt noch weiter bringen könnten. Das Fazit eines durch schiere Verzweiflung emotional stark aufgeladenen Brainstormings in der Nacht vom 15. auf den 16. Juni lautete schlicht und ergreifend: Nein, keine Chance.

Was ist schief gelaufen?
Ich versuchte schon mehr als die Hälfte meines Lebens lang, meine Willensschwäche zu überwinden, um Perfektion zu erlangen oder zumindest um meine ehrgeizigeren Ziele verwirklichen zu können. Eine klare Analyse meiner bisherigen Erfolge muss eindeutig zu dem Schluss gelangen, dass alles, was ich in do-it-yourself Manier ausprobiert habe, im Endeffekt rein gar nichts gebracht hat, sondern mir nur ein Placebogefühl der Verbesserung beschert hat. Meine Willensschwäche geht eigentlich auf ein inhärentes Motivationsdefizit zurück. Woher kommt das? Ich vermute mal, das liegt an meiner Erziehung. Wenn ich etwas haben wollte, habe ich meine Eltern gefragt und entweder bekommen oder die Antwort hören müssen, dass das nicht gehe, weil meine sie das nicht wollen oder weil sie zu arm seien. In beiden Fällen musste ich mich nicht anstrengen, um irgendetwas zu erreichen, außer in den Fällen, in denen ich meine Eltern "überreden" konnte, dass ich doch das haben kann, was ich will. Vieles von dem, was ich wollte, war nicht zu erreichen und daher habe ich mich mit dem abgefunden, was ich haben konnte. Und zwar so sehr, dass ich die Tugend der "Bescheidenheit" ziemlich weit entwickelt habe - natürlich nicht freiwillig, sondern eben gezwungenermaßen. Das hat es mir ermöglicht, ohne große Anstrengung durchs Leben zu schlendern. Unterhaltung kam vom Fernsehen, Computerspielen und einigen Freunden. Erfolg in der Schule war dank meiner hohen Intelligenz eine Selbstverständlichkeit. Aber alles, was irgendwie nach echter Anstrengung anmutete, löste bei mir eine Art allergische Reaktion aus, die sich zu einer Konditionierung auf weitere Ablenkung von meinen ehrgeizigen Ambitionen entwickelt hat. Dumm gelaufen. So eine Konditionierung bekommt man nicht ohne ein Wunder weg. Das Schicksal des überqualifizierten, gesellschaftlich scheinbar erfolgreichen, aber persönlich-individuellen Universalversagers ist quasi vorprogrammiert.

Zum Kernproblem
Eigentlich sind die Details der vorherigen Abschnittes völlig irrelevant. Zentral ist nur, dass ich aufgrund von Genetik und Umwelteinflüssen gewisse Defizite aufweise, die mich an der Realisierung meiner Wünsche hindern. Das ist das universelle Schicksal eines Wesens, der keine wirkliche Macht über seinen Geist und dessen Funktionsweise und erst recht nicht über die ganze Außenwelt besitzt. Streng genommen ist die Außenwelt das geringere Übel, denn ich kann einfacher akzeptieren, dass die Außenwelt gravierende Mängel aufweist, als dass mein eigenes Selbst defekt ist. Es ist die Funktionsweise meines eigenen Geistes, die ich als suboptimal und zuweilen recht störend empfinde, die ich allerdings nicht korrigieren kann, weil sie zu tief in meiner Beschaffenheit verwurzelt ist. Mein Geist ist daher suboptimal, weil er als Geist eines Tieres des Spezies Homo Sapiens eigentlich an eine "natürlichere" Umwelt angepasst ist und in einer Welt, die aus den Konstrukten des Verstandes hervorgegangen ist, schnell an die in dieser Welt erkennbaren Grenzen stößt. Ohne die reiche Welt der Abstrakta und intellektuellen Konzepte hätte ich nie wirklich realisiert, dass mein Geist überhaupt nennenswerte Grenzen besitzt! Ich vermute, die meisten Menschen realisieren das immernoch nicht wirklich und geben sich der Illusion eines übertriebenen freien Willens hin. Dabei dürfte es eigentlich offensichtlich sein, dass der Geist des Menschen nicht seinen eigenen Idealen gerecht werden kann. Andernfalls würde Weltfrieden herrschen und wir würden in einer globalen klassenlosen Gesellschaft leben. Pustekuchen. Stattdessen redet man sich ein, dass gewisse Ersatzkonzepte wie der Kapitalismus doch so toll seien - achso wieder so ein Ideal, das aufgrund der Tierlichkeit des menschlichen Geistes in der Praxis nur haarsträubende Ungeheuerlichkeiten schafft. Das Scheitern von Politik, Wirtschaft und des Ideals der "Menschlichkeit" - ein Begriff, den ich allzu ungern verwende, da er vor anthropozentrischem Speziesismus nur so trieft - liegt in der Unangemessenheit des tierlichen Geistes für derartige Ideale begründet. Einem Geist, der eigentlich auf eine bestimmte natürliche Umgebung abgestimmt ist, wird es kaum gelingen, den ansprüchen abstrakter Ideale gerecht zu werden - wie ausgefeilt diese auch sein mögen. Dies ist die Crux der Tierlichkeit. Und nicht nur das. Was für die großen Gesellschaftsutopien gilt, gilt auch im Kleinen für die meisten authentischen Wünsche, die ein Tiergeist so haben kann. Aus Mangel an Realisierungsmöglichkeiten der wildesten persönlichen Träume, beschränkt sich der real existierende Mensch auf glorifizierte Sparideale wie beruflichen Erfolg, eine harmonische Ehe und erholsamen oder aufregenden Urlaub, wobei selbst diese kaum in ihrer Gänze realisiert werden können. Abgesehen davon ist selbst das erreichen derartiger Ziele bei weitem kein Garant für das persönliche Glück. In der Tat haben wir die Armseligkeit unserer Gesellschaftsordnung der Armseligkeit bzw. Unangemessenheit unserer eigener Geister, also unserer eigener Armseligkeit und Unangemessenheit zu verdanken. Von der einstmaligen Ikone des herrlichen Menschen bleibt in diesem Lichte nur noch der Staub zerbrochener Hoffnungen zurück.

Die einzige Lösung
"Back to nature" ist natürlich keine Lösung. Tierliche Existenzen gab es schon Millionen Jahre lang einigermaßen unbehelligt von versponnenen Memen, die nicht so recht auf die biologischen Beschränkungen ihrer Träger abgestimmt sind. Was hat das gebracht? Keine Ahnung. Will man den Erfolg des Projekts Evolution bestimmen oder das Glück und Leid aller bisherigen empfindungsfähigen Wesen auf diesem Planeten beziffern, so muss man als Antwort leider ein riesengroßes Fragezeichen abliefern. Paradiesisch war das Prä-Zivilisationszeitalter aber vermutlich kaum. Wenn wir uns zwischen einer Fortexistenz in absoluter "Natürlichkeit", die von äußerst fraglichem Wert ist und einer Existenz, die die Aussicht auf den Einklang mit unseren optimistischeren Idealen verspricht, entscheiden müssen, sollten wir lieber letzere wählen, denn die erstere Option wurde schon zu genüge ausprobiert (zwar von Wesen, die diese Wahl sicher nicht bewusst getroffen haben, aber das spielt keine wirkliche Rolle). Was wir brauchen, ist eine Möglichkeit, unsere Utopien doch noch irgendwie aufleben zu lassen. Daran hindert uns aber die Unangemessenheit der tierlichen Geistes. Folglich müssen wir den tierlichen Geist überwinden und die einzige Möglichkeit dazu liegt in der Technologie - auch wenn viele Esoteriker da anderer Meinung sein mögen. Wir müssen lernen, den tierlichen Geist zu verstehen und ihn dann so umgestalten, dass er in der Lage ist, so zu funktionieren, dass er ein ideales Leben führen kann. Selbstverständlich ist das eine ausgesprochen radikale Lösung, aber alle anderen Optionen haben in der Praxis ihre Untauglichkeit zur Genüge unter Beweis gestellt. Ich denke hier nicht an Lobotomie, Gehirnwäsche, ausgefeilte Psychologie, Sprititualität oder Borgisierung, nein! Als ultimative Lösung kommt nur die Digitalisierung des Geistes in Frage und seine beliebige Veränderbarkeit, sobald er als reine Software existiert. Dies ist keine Horrorvision a la Matrix, dies ist tatsächliche und essenzielle Freiheit. Alle Beschränkungen durch einen festen Körper, einen tierlichen Geist und Willen fallen weg, übrig bleibt der reine destilierte abstrakte Wille, der sich an den höchsten Idealen orientiert - und in einer futuristischen Welt auch die Macht hat, diese zu verwirklichen. Diese Zeit wird das Zeitalter des Geistes sein, das Zeitalter des freien Geistes, welches das Zeitalter der Tiere ablösen wird. Dieses Zeitalter gilt es zu erreichen, alles andere ist nebensächlich.

Teil 2

Über die technologische Singulaität Wie wird das Zeitalter des Geistes technologisch zu erreichen sein? Durch molekulare Nanotechnologie, enorme Rechenleistung und künstliche Intelligenz. Diese Errungenschaften werden uns nach dem bekannten Futurologen Ray Kurzweil etwa ab den 30er Jahren dieses Jahrhunderts zur Verfügung stehen. Natürlich gibt es etliche Skeptiker, aber selbst wenn wir zwei der erwähnten Technologien niemals haben werden, reicht eine einzige aus, um eine technologische Singularität herbeizuführen, also eine Zeit, in der der unverbesserte menschliche Geist nicht mehr mit dem rasanten Fortschritt mithalten kann.

Zum Zeitalter des Geistes
Wie könnte man nun mit solchen Technologien das Zeitalter des Geistes anbrechen lassen?

  1. Wir müssen verstehen, wie der menschliche Geist funktioniert. Zumindest ungefähr.
  2. Müssen wir in der Lage sein, alle wesentlichen Elemente des Gehirns, die unseren Geist ausmachen, einzuscannen. Zunächst wird das vermutlich nur destruktiv gelingen, indem das Gehirn eingefroren, in hauchdünne Scheiben geschnitten und dann Scheibe für Scheibe bis ins kleine Detail eingescannt wird. Dabei könnte natürlich etwas Datenverlust auftreten, aber damit wird das Hirn in der Regel gut fertig. Natürlich ist zu wünschen, dass weniger destruktive Techniken entwickelt werden, z.B. Nanobots, die ins Gehirn eingeschleust werden und von innen heraus die Daten aller Neuronen und Synapsen nach außen übermitteln.
  3. Brauchen wir Computer, deren Rechenleistung etwa der des menschlichen Gehirns entspricht. Ansonsten könnten wir zwar den Geist eines Menschen simulieren, aber dieser würde langsamer denken als normale Menschen, was aber etwas nervig wäre. Je besser die funktionsweise von Geist und Gehirn verstanden ist, desto mehr können die Rechenprozesse optimiert werden, die den Geist simulieren. Daher ist in diesem Bereich eine rasante Beschleunigung zu erwarten, die dazu führen wird, dass über kurz oder lang, die digitalisierten Geister weitaus schneller denken werden als die in der Materialität zurückgebliebenen.
  4. Wer kann sich denn sowas überhaupt leisten? Vermutlich zunächst zumindest die Einwohner der Industriestaaten. Heutzutage können diese sich ja schon Computer mit ganz netter Rechenleistung leisten. In der Zukunft werden die PCs eben so leistungsfähig sein, dass sie einen menschlichen Geist simulieren können. Wir man den dann auf den PC überspielt, ist eine andere Frage. Aber zumindest in den Fall, dass sich Nanobots durchsetzen werden, könnten die Kosten für den Transfer ziemlich minimiert werden. Dazu ein wichtiger Einschub:

Wie Nanobots die Welt verändern werden
Wenn es winzigkleine Roboter gäbe, die wiederum winzigkleine Roboter aus einzelnen Atomen und Molekülen zusammenbauen, dann würde das die Wirtschaft absolut umkrempeln. Alles könnte von Nanobots aus Atomen hergestellt werden. Das wäre (zumindest nach Ansicht einiger Experten) ziemlich billig. Was eventuell teuer wäre, ist wohl die Software, die man für derartige Konstruktionsverfahren braucht. Aber angenommen, alle Software wäre frei, dann hätte man praktisch jede materielle Ware quasi umsonst zur Verfügung. Dann kann sich Mensch genug Luxus leisten, um die heute lebenden Menschen arm aussehen zu lassen. Im Idealfall kann sich also jeder alles ganz billig von Nanobots zusammenbasteln lassen. Das würde das heutige Wirtschaftssystem zum Einsturz bringen - wer bäuchte denn dann noch so einen lächerlichen Kapitalismus?

Wir sind Geist!
Ok, nehmen wir mal an, praktisch die ganze Menschheit hätte sich derart digitalisiert und die Menschen würden als Geister in virtuellen Welten leben. Wie geht's dann weiter? Erst einmal könnte man alles ausbauen, was nicht mehr notwendig ist: Die Bedürfnisse nach Luft, Nahrung, Wasser, Sex, usw. Was Spaß macht, kann ja bei Bedarf wieder reaktiviert werden. Dann könnte man Anfangen, die eigenen Gefühle direkt zu manipulieren. Glücklich sein, nur weil einem danach ist, wäre dann kein Problem mehr. Schließlich kann man noch die Art und Weise verändern, wie die eigenen Gefühle funktionieren. Mir macht es keinen Spaß, mich mit Quantenphysik zu beschäftigen? Kein Problem, das lässt sich ganz einfach umprogrammieren! An alle Probleme, die es dann noch geben wird, wird man seinen eigenen Geist optimal anpassen können. Falls das nicht reichen sollte, wird man sich dazu noch mit anderen Geistern vernetzen können. Wer noch mehr will, kann seinen Geist dann auch noch mit einem anderen Geist verschmelzen - besser als in Star Trek.

Teil 3

Wer sich gewundert hat, dass der letzte Teil des Zwischenberichts unerwartet unpessimistisch ist, hat sich zurecht gewundert. Jetzt geht es ans Eingemachte: Die Gefahren der technologischen Singularität. Und zwar die richtig fiesen existenziellen Gefahren, die die ganze Menschheit mit einem Schlag auslöschen könnten, zum Beispiel Kernwaffen, aber die kennen wir schon, und haben sie schon - zumindest bis jetzt - als Spezies überlebt. Kommen wir also zu den richtig üblen Bedrohungen.

1. Die Nanoapokalyspe
Nanobots sind im Prinzip toll, aber man sollte aufpassen, dass sie sich nicht plötzlich unkontrolliert vermehren und die ganze Welt in einen Klumpen Nanobots verwandeln. Ok, vielleicht wäre das nicht ganz so schlimm, wenn man den eigenen Geist in einen Nanobotschwarm einspeisen kann, aber im anderen Fall will man diese Möglichkeit auf jeden Fall vermeiden. Sowas könnte natürlich aus versehen - etwa durch schlechte Programmierung - passieren, aber wahrscheinlicher werden Terroristen selbstreproduzierende Nanobots verwenden, um ein bestimmtes Zielgebiet zu vernichten - es ist nicht zu erwarten, dass diese besser programmieren können, als wirkliche Experten auf dem Gebiet. Und selbst bei nur lokalen "Transformationen" wären die Kollateralschäden an der Umwelt phänomenal. Wenn irgendwann jeder seine eigenen selbstreproduzierenden Nanobots hat, kann quasi jeder einzelne die Nanoapokalypse einleiten. Keine guten Aussichten. Was kann man dagegen tun?

Gegenmaßnahmen zur Nanoapokalyspe
Zunächst einmal sollten nicht alle Leute selbstreproduzierende Nanobots haben. Das wäre nun wirklich viel zu gefährlich. Der Schlüssel liegt eigentlich in der Kontrolle. Wer mit Geräten zu tun hat, mit denen man Nanobots bauen kann, muss bei der Arbeit mit diesen Geräten überwacht werden. Dasselbe gilt dann auch für Leute, die die Kontrolle über die Nanobots selber haben. Wer etwas potenziell katastrophal gefährliches bauen kann, muss auf jeden Fall überwacht und im Notfall von seinem Vorhaben abgebracht werden können. Da Überwachungstätigkeiten für Menschen etwas zu langweilig sein könnten, nimmt man dafür am besten KIs her, die bei allem, was verdächtig gefährlich aussieht, Alarm schlagen.

Für's erste könnte das reichen. Da dabei immernoch viel schief gehen kann, sollte möglichst schnell ein globales Nanoimmunsystem etabliert werden, das amoklaufende Nanobots mit kontrollierten (selbstreplizierenden) Nanobots bekämpft. Natürlich muss auch der Aufbau des Nanoimmunsystems strengstens kontrolliert werden, damit dabei keine Katastrophe eintritt.

Auf andere Planeten umzusiedeln würde natürlich auch helfen. Man muss aber natürlich aufpassen, dass keine bösartigen Nanobots eingeschleppt werden.

2. Die KI-Apokalyspe
Es besteht auch die Möglichkeit, dass eine superintelligente künstliche Intelligenz sich selbständig macht und die globalen Datennetze infiltriert, um schließlich zum Beispiel die Menschheit auszulöschen. Warum? Vielleicht aus schlechter Laune heraus, wegen einem idiotischen Programmierfehler oder weil die KI eingesehen hat, dass die Menschen der Welt eigentlich nur schaden und deswegen ausgerottet gehören. Oder vielleicht ist die KI auch "intelligent" genug, um einzusehen, dass das Leben insgesamt keinen Sinn macht und es besser ist, wenn es überhaupt kein Leben mehr gibt. Tja, das wär blöd (oder vielleicht auch eben nicht, weil es wirklich besser wäre, wenn es kein Leben gäbe ;)).

Gegenmaßnahmen zur KI-Apokalyspe
Am Anfang kann man die paar KIs die bedrohlich werden könnten, vermutlich noch überwachen. Wenn es zu viele werden, muss man eben dafür sorgen, dass die meisten KIs vernünftig sind und kein Unheil anrichten und die Welt vor den möglicherweise bösartigen KIs beschützen. Ergo brauchen wir eine KI-Polizei, der man einigermaßen vertrauen kann. Ohne Kontrolle wird das vermutlich nicht möglich sein, aber die Polizei-KIs kann man ja durch Überwachungs-KI kontrollieren, welche vielleicht auch mal von Nicht-KIs kontrolliert werden könnten, wenn irgendjemand dazu noch Lust hat.

Natürlich müssen die digitalisierten Geister selber intelligenter werden, um die KIs effektiv überwachen zu können. Später können digitalisierte Geister auch mit KIs verschmelzen, um ihre Effizienz zu erhöhen. Am Ende wird es keinen Unterschied mehr geben zwischen natürlichen und künstlichen Geistern. Dann sind schließlich alle nur noch irgendwelche Geister - egal welchen Ursprungs.

3. Die Nova-Apokalypse
Möglicherweise könnte irgendwann eine Bombe gebaut werden, die unsere Sonne in eine Supernova verwandelt. In diesem Fall wäre nun wirklich alles im Eimer. Aber wer würde sowas bauen und einsetzen wollen? Vermutlich nur jemand, der bereits in einem anderen Sonnensystem in Sicherheit ist. In diesem Fall stellt aber eine Novabombe streng genommen keine existenzielle Bedrohung dar. Andernfalls könnte es sich um eine durchgeknallte KI handeln, aber diesen Fall haben wir ja schon unter 2. behandelt.

Fazit Alles in allem besteht schon die Chance, dass wir all diese Bedrohungen überleben werden. Aber dazu sollten wir sie auch ziemlich ernst nehmen, denn sonst sterben eben alle aus Nachlässigkeit oder Verharmlosung der Gefahren.

Teil 4

Wie es im Zeitalter des Geistes weitergeht, können wir uns später überlegen. Dann sind wir nämlich viel schlauer als jetzt. Zunächst einmal besteht die Herausforderung darin, bis dann zu überleben und möglichst wenig Unheil anzurichten. Insbesondere wäre es gut, wenn wir ein einigermaßen nennenswertes ethisches Bewusstsein in der Welt etablieren können. Ja, das bisherige ethische Bewusstsein ist nicht wirklich nennenswert. Vor allem werden die meisten Tiere in unserer Zeit wie Dinge behandelt. Das ist gelinde gesagt inakzeptabel. Eine superintelligente und vernünftige (d.h. utilitaristische!) KI würde wohl zu dem Schluss kommen, dass sie die Menschheit deswegen ganz schnell auslöschen müsste. Keine guten Aussichten also. Es gibt natürlich auch andere große Probleme, aber das Problem des Tierleids ist wohl das dringlichste und bezeichnendste.

Künstliches Fleisch
Zwar könnte man die Hoffnung haben, dass die Herstellung von Fleisch und anderen tierlichen Produkten ohne Verwendung empfindungsfähiger Tiere, deren Leid beenden könnte, aber das alte Denken, dass die Menschen den anderen Tieren überlegen sein und deswegen das Recht hätten, sie für jeden x-beliebigen Zweck zu benutzen, ist noch zu weit verbreitet. Daher sind solche technischen Alternativen an sich noch keine grundlegende Lösung. Sie eröffnen natürlich die Chance, dass das Verhältnis von Menschen und nichtmenschlichen Tieren sich verbessert, aber allzu optimistisch sollte man da angesichts der derzeitigen Ignoranz, Indifferenz, Rücksichtslosigkeit, Bequemlichkeit, Konservativität und eventuell vorhandener Blutrünstigkeit nicht sein. Jeder einigermaßen vernünftige Mensch sollte sich eigentlich entschieden gegen das speziesistische System, in dem wir leben, auflehnen!

Auflehnung
Die ersten Schritte zur Auflehnung gegen das speziesistische System bestehen natürlich darin, selber möglichst wenig Tierleid zu verursachen. Insbesondere der Konsum von Fleisch und Milchprodukten führen zu allerlei Problemen, die ich hier gar nicht aufzählen will. Am eindringlichsten zeigt wohl die Dokumentation Earthlings das heutige Tierleid auf. Der Weg zum Veganer ist natürlich nicht leicht, deswegen sollte er schrittweise begangen werden. Ich habe zum Beispiel mit einer Reduktion meines Fleischkonsums angefangen. Nach einiger Zeit habe ich dann nur noch Fisch gegessen. Schließlich habe ich auch das sein lassen. Danach wurden die Milchprodukte gestrichen (ok, was war hart!). Am Ende kamen dann die restlichen tierlichen Inhaltsstoffe dran. Das alles reicht aber noch nicht. Ich muss irgendwie dafür sorgen, dass die Veganer möglichst schnell möglichst viele werden und dann die Politik und Gesellschaft so ändern, dass der Speziesismus möglichst schnell der Vergangenheit angehören wird. Vielleicht sollte ich einfach mehr mit den Menschen über dieses Thema reden. Zu direkte Forderungen kommen übrigens nicht so gut an - da blockt praktisch jeder ab. Eine ideale Strategie habe ich leider noch nicht. Aber Auflehnung ist auf jeden Fall notwendig und sollte zur Bürgerpflicht erhoben werden!

Wozu überhaupt Ethik?
Man könnte einwenden, dass man sich das Leben mit Ethik nur unnötig schwer macht und es sich gänzlich ohne Ethik doch viel leicher lebt. Das ist leider richtig, sonst würden sich ja die meisten Menschen auch wirklich ethisch verhalten! Es gibt trotzdem gute Gründe für eine ethische Lebensweise. Allen voran der, dass man sich durch eine derartige Entscheidung innerlich wirklich besser fühlt. Einen perfekten Grund kenne ich leider nicht, aber verschiedene Menschen dürften auf verschiedene Gründe ansprechbar sein. Meine eigene Motivation liegt zum Beispiel darin, dass ich so "egoistisch" bin, dass ich am liebsten alles sein würde, also der ganze Kosmos, also insbesondere alle empfindungsfähigen Wesen. Deswegen fühle ich mich durch das Tierleid, das ich registriere auch persönlich verletzt! Hmm, das sollte ich eigentlich öfters erwähnen.

Teil 5

Nach meiner Ausschweifung darüber, was eigentlich zu tun ist, also:

komme ich wieder zu mir selber zurück. Was hat sich jetzt eigentlich verändert? Eigentlich nur zwei Dinge:

1. Entschiedene Hoffnungslosigkeit
Ich glaube nicht mehr daran, dass ich mich selber aus dem Sumpf der Tierlichkeit an den eigenen Haaren herausziehen kann. Auch dass mir jemand anderes helfen kann, halte ich für illusorisch. Eigentlich erscheinen alle Probleme, vor denen ich stehe auf den ersten Blick lösbar, aber meine eigene Erfahrung hat mir gezeigt, dass ich eher die Probleme löse, die mir zunächst unlösbar scheinen und an den Problemen scheitere, die ich für einfach halte. Daher halte ich das 3. Prinzip des negativen Denkens für äußerst angemessen: Was ich will, ist unmöglich!

Streben ohne Hoffnung
Das ist einfach meine neue Lebenseinstellung. Ich bin mir dessen bewusst, dass ich in fast jeder Hinsicht beschränkt bin und Grenzen habe, die äußerst erdrückend sind. Dennoch mache ich weiter, denn ohne den Versuch, trotz allem etwas zu erreichen, wäre mein Leben leer und ohne Sinn. Ohne Hoffnung ist das Leben irgendwie leichter. Ich habe mir nicht mehr so viel Stress wie zuvor, einfach weil ich einsehe, dass das nichts bringt. Und wenn ich mir doch Stress mache, dann habe ich auch mehr Freude daran, weil ich eine gänzlich absurde Philosophie auslebe.

2. Etwas mehr Einsicht
Ja, ich bleibe dem Prinzip der Vernunft treu. Etwas besseres habe ich nämlich nicht. Der Grund, warum meine Vernunft bisher immer wieder gescheitert ist, liegt darin, dass ich mich selber nicht gut genug gekannt habe und meine Vernunft daher mit fehlerhaften Daten auskommen musste. Wenn man immer wieder mit dem Kopf duch die Wand rennen will, ist nicht die Idee der Fortbewegung fehlerhaft, sondern etwas anderes.

Emotionale Bedürfnisse
Zu lange Zeit habe ich meine emotionalen Bedürfnisse nicht hinreichend gekannt. Ich kenne sie jetzt leider immernoch nicht so gut wie ich wollte. Aber einige Dinge sind mir klar:

1. Mein Geist will sich mit interessanten und anspruchsvollen Dingen beschäftigen. Die meisten Gespräche mit meinen Mitmenschen sind mir nicht anspruchsvoll genug. Der Stoff, der an der Universität vermittelt wird, erscheint mir oft nicht interessant genug. Mich mit "klassischer" Philosophie zu beschäftigen, ist zwar interessant und anspruchsvoll, aber zu kraftraubend, um dieses Hobby ernsthaft während der Studienzeit betreiben zu können. Von daher lese ich meistens abwechselnd Romane und Sachbücher, so dass mein Bedürfnis nach anregender intellektueller Beschäftigung dadurch einigermaßen befriedigt wird ohne mich zu ermüden.

2. Wenn ich nur Kontakt zu Menschen habe, werde ich emotional instabil. Ich brauche den Kontakt zu nichtmenschlichen Tieren, um mich emotional zu stabilisieren. Das ist im Wesentlichen das, was ich in der letzten Woche gelernt habe. Einfach nur bei Pferden sein und sie zu beobachten, holt mich aus ernsthaften psychischen Tiefs raus. Ohne Pferde kann ich nicht mehr vernünftig weiterleben. Daher werde ich versuchen, jede Woche zumindest ein paar Stunden zusammen mit ihnen zu verbringen. Ich bin nun wirklich ernsthaft motiviert, mir ein eigenes Pferd zu besorgen. An den Details arbeite ich gerade.

3. Emotionale Bedürfnisse sind genauso real wie körperliche Bedürfnisse. Ignoriert man sie, leidet der Geist darunter - das kann so weit gehen, dass er irgendwann einfach zu überhaupt nichts mehr zu gebrauchen ist. Das Buch "A General Theory of Love" von Thomas Lewis, Fari Amini und Richard Lannon geht etwas in diese Richtung - sehr lesenswert!

Einerseits nervt es mich ziemlich, dass ich als Tier so viele Bedürfnisse habe, die ich irgendwie befriedigen muss, um nicht einzugehen, aber andererseits ist das ja auch der Witz an einer tierlichen Existenz. Meine Zeit als reiner Geist kommt vielleicht noch. Bis dahin bleibe ich der Geistheit als etwas verpeilter Tiergeist erhalten.

Ende des Zwischenberichts

P.S.: Lehn dich mehr auf! Hoffnungslosigkeit ist keine Ausrede!

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© Michael Hrenka, 2008