Blog Archiv: Die Welt ist schlecht Mai 2008

FREIDENKER-WARNUNG

Wenn du dich nicht mit extrem unkonventionellen Ansichten auseinanderseten willst, dann verlasse diese Seite sofort. Andernfalls droht dir die Gefahr, dass du dich psychischem Stress aussetzt und dein Weltbild zusammenbricht. Wenn du dir die Texte auf dieser Website durchliest, nimmst du das Risiko in Kauf zum Nachdenken gebracht zu werden. Bei Menschen, die dies nicht gewohnt sind, kann dies zu schweren unwillkürlichen psychischen Abwehrreaktionen führen. Zur oberflächlichen Symptombehandlung reichen im Normalfall aber Verdrängung, Antidepressiva und Psychotherapie völlig aus.

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4.5.2008 (Sonntag): Schwuleres Farbschema

Ich habe gerade das Farbschema von geistheit.de etwas verändert. Jetzt ist Hellviolett auf Dunkelviolett. Das sollte etwas schwuler und weniger Augenkrebs erregender daherkommen als das Gelb auf Dunkelviolett. Da ich gerade etwas unzurechnungsfähig bin, weil ich die Wirkung von Wein als Schlafmittel ausprobiere, brauche ich natürlich Feedback, ob die Änderung nicht doch etwas unangemessen ist.

Für Experimentierfreudige, die selber Brot backen und sicher gehen wollen, dass andere es nicht klauen oder wegessen, habe ich einen tollen Tipp: Etwas blaue Lebensmittelfarbe sorgt dafür, dass das Brot innen sehr interessant aussieht. Für Uneingeweihte macht es aber eher einen etwas verschimmelten Eindruck. Lecker ist es trotzdem.

10.5.2008 (Samstag): Energize

Liebes Onlinetagebuch, heute morgen hatte ich irgendwie Hunger, obwohl ich gestern relativ viel gegessen habe. Nach einer Weile hatte ich die böse Vermutung, dass das vielleich an einem Vitaminmangel liegen könnte, weil ich während der Vorlesungszeit relativ wenig Obst und Gemüse gegessen habe. Also habe ich schnell ein paar Portionen Obst gegessen und ich war wieder in top Form. Gut, dass mein Geist langsam versteht, was die Signale meines Körpers bedeuten. Generell sollte ich viel mehr Obst am Vormittag essen. Ich denke, es war ein ziemlicher Fehler, dass ich das viel zu selten gemacht habe. Gesundes Essen liefert Energie!

Später bin ich dann auf die Seite http://www.tierrechts-foren.de/ gegangen und habe ich erstmal über die dummen Menschen geärgert, die sich als Antiveganer bezeichnen. So was Schwachsinniges habe ich seit langem nicht mehr gelesen. Allgemein hat das meinen Hass auf die Menschen erneuert. Ist doch wahr, ich als jemand, der sich als großer Philosoph sieht, bin echt verzweifelt über die Dummheit und Engstirnigkeit meiner Zeitgenossen. Umgeben von Schwachsinnigen, mit denen ich kaum noch kommuniziere, weil es einfach fast nichts mehr gibt, über das es sich zu reden lohnt und das, worüber es sich zu reden lohnt, wird von meiner Gegenseite selten verstanden oder abgelehnt oder ignoriert und das frustiert mich. Aber eigentlich bin ich daran selber Schuld, weil ich nicht genug Energie in das Vorhaben stecke, mich verständlich zu machen. Und das liegt vornehmnlich an meinen Motivationsproblemen und den verbleibenden inneren Blockaden.

Also gut, mir ist aufgefallen, dass ich mich viel besser und energetisierter Fühle, wenn ich einfach alle Menschen hasse. Ich bin sowieso viel zu schüchtern und zu nett. Im Hate-mode leide ich nicht mehr unter diesen Problemchen. Andererseits drehe ich dabei auch nicht total ab und renne um mich schlagend und beleidigend durch die Straßen. Dazu bin ich einfach zu vernünftig. Eigentlich ist es auch kein richtiger Hass. Es handelt sich dabei um eine Art vornehme Verachtung, die man etwa dem Staub entgegenbringt, der im eigenen Zimmer herumliegt... ja, ich sollte wirklich öfter Staubsaugen - ganz unmetaphorisch!

Mich ärgert es nur, dass ich selber zum Staub gehöre. Aber eigentlich bin ich der Staub. Und noch viel mehr. Mein Menschenhass ist nur eine Art erweiterter Selbsthass. Aber wenigstens scheint er mich zu motivieren. Also kann er mir nur recht sein.

25.5.2008 (Sonntag): Einsichten

Gestern ist mir klar geworden, dass ich als Philosoph irgendwie auch Grenzen habe. Ja, ich bin an meine Grenzen gestoßen. Die Zeit ist vorbei, in der ich jedes philosophische Problem innerhalb weniger Tage lösen konnte. Die Welt ist komplizierter als ich es mir jemals vorgestellt hätte. Ihre Komplextität transzendiert alles, was wir mit unseren endlichen Geistern erfassen können. Das macht natürlich alle Versuche, die Welt mit Mathematik, Physik oder Philosophie ganzheitlich zu erfassen, gründlich zunichte. Schade, aber vielleicht ist es auch besser so. Eine Welt, die man gänzlich verstehen könnte, wäre ja auch langweilig.

Ok, was ist eigentlich genau das Problem? Also bisher war ich der Ansicht, dass die Realität, also das, was wir als Welt auffassen irgendwie als hinreichend komplexes mathematisches Modell beschreibbar bzw. zu diesem isomorph ist. Pustekuchen. Das würde höchstens gelten, wenn es so etwas wie eine maximale Theorie für diese Welt gäbe, die kategorisch ist. Aber das erscheint mir höchst unwahrscheinlich. Kann man also so gut wie vergessen. Die Welt ist viel mehr eine ganze Klasse mathematischer Modelle, die mit unserem Wissen über die Welt kompatibel sind. So sieht's aus. Ganz einfach, äh kompliziert. Also, wenn man schon nicht man die Welt mathematisch erfassen kann, wird man es auch ganz ganz schwer haben, noch mit einer der Welt zugeschriebenen Struktur wie der Ethik noch vernünftig mathematisch arbeiten können. Man kann sich nur auf Näherungsmodelle einschränken, deren Voraussetzungen ziemlich fragwürdig sind. Aber nun gut, gepfuscht wird in der realen Welt überall - anders käme man auch zu gar nichts.

Was bleibt ist Wischiwaschiphilosophie, gegen die ich schon früh eine ziemliche Abneigung gehegt habe. Meine aktuelle Idee des Aszendenzutilitarismus ist vielleicht ganz nett, aber da sein mathematisch-philosophisches Fundament höchstens auf sandigem Grund steht und die Zukunft und sogar die Gegenwart sowieso hochgradig ungewiss sind, taugt er nicht mehr viel mehr als seine Konkurrenzprodukte, die ich eigentlich mit dem Aszendenzutilitarismus verdrängen wollte. Prima. Zurück zum Anfang.

Mein Ehrgeiz beschränkt sich vernünftigerweise nunmehr nur darauf, irgendwann nette Sci-Fi Bücher zu schreiben, die ein paar Leute irgendwie zum nachdenken über irgendwas bringen könnten. Als menschliches Wesen kann ich sowieso nicht auf viel mehr hoffen. Es wird mir immer klarer, dass meine jahrelangen Versuche meine tierlichen (menschlichen) Fehler zu besiegen, einen verzweifelten Versuch darstellen, das momentan Unveränderliche doch zu verändern. Faul bleibt faul (bzw. unmotiviert) , da helfen auch keine Psychotricks (oder Pillen). Was bleibt ist die Hoffnung, dass die Zukunft die Technologie bringen wird, die persönliche Tierlichkeit zu überwinden und sich zur Neogöttlichkeit emporzuschwingen - und dass diese Technologie dann auch noch legal und erschwinglich sein wird und ich nicht gerade der letzte sein werde, der von ihr profitieren wird. Ja klar... sonst noch Wünsche?

Ich bin und bleibe ein dummer Mensch mit viel zu hoch gesteckten Zielen. Bitte helft mir! Sonst geht die Welt noch schneller und mit höherer Wahrscheinlichkeit den Bach runter. Ich brauche sowas wie nen Personal Motivator. Ja, den wünsch ich mir zu Weihnachten. Wäre endlich mal ein sinnvolles Geschenk, über das ich mich freuen könnte ... und das der reaktive Teil meines Geistes bis ans Ende seiner Tage verfluchen würde.

Schönes tierliches Restleben noch euch allen mitleidenden zeitgenössischen Opfern der Hartnäckigkeit des realen Elends dieser Welt.

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© Michael Hrenka, 2008