Blog Archiv: Die Welt ist schlecht Januar 2008

FREIDENKER-WARNUNG

Wenn du dich nicht mit extrem unkonventionellen Ansichten auseinanderseten willst, dann verlasse diese Seite sofort. Andernfalls droht dir die Gefahr, dass du dich psychischem Stress aussetzt und dein Weltbild zusammenbricht. Wenn du dir die Texte auf dieser Website durchliest, nimmst du das Risiko in Kauf zum Nachdenken gebracht zu werden. Bei Menschen, die dies nicht gewohnt sind, kann dies zu schweren unwillkürlichen psychischen Abwehrreaktionen führen. Zur oberflächlichen Symptombehandlung reichen im Normalfall aber Verdrängung, Antidepressiva und Psychotherapie völlig aus.

(Zurück zu der tollen, völlig überladenen Hauptseite von Geistheit.de)

1.1.2008

So wie jedes Jahr zur gleichen Zeit ist auch jetzt wieder ein neues Jahr angebrochen. Die Prätemporalperipherietransferphase war für mich etwas unangenehm. Mich hat dieser nervige Magen-Darm-Infekt erwischt, der herumgegangen ist. Durchfall ist für mich nicht so schlimm wie die ganze Übelkeit, die im sich Übergeben gipfelt. Besonders die Anfangsphase war für mich ziemlich entnervend, da ich so oft erbrechen musste, bis absolut nichts mehr in meinem Magen war, was aber meinem Brechreiz egal war - der hat noch ein paar Zugaben gegeben.

Später habe ich festgestellt, dass es gar nicht so schlimm ist, mehrere Tage lang fast gar nichts zu essen (weil ich einfach nichts mehr verdauen konnte). Die ganze Zeit habe ich genutzt, um ein paar Bücher zu lesen. Zuerst dieses "Fast Nackt" von Leo Hickman.
Natürlich kamen darin nette Ideen drin vor, wie z.B. ein Wurmkomposter und selbstgemachte Reinigungsmittel, aber vieles in diesem Buch ist in meiner derzeitigen Situation sowieso nicht praktikabel ... ok, Stoffwindeln wären bei Durchfall eine nette Sicherheitsmaßnahme, aber die Dinger sollen bei zu flüssigem Stuhlgang eh nicht so gut sein.
Aber zum Beispiel Ökourlaub kann ich mir eher nicht leisten. Geschweige denn, dass ich mir momentan überhaupt irgendeinen Urlaub leisten könnte. Selbst wenn ich wollte, was ich nicht tue, weil ich eh nicht von diesem Planeten runterkomme und alles wichtige sowieso translationsinvariant ist. Wenn ich in Skandinavien schlauer sein würde als hier, dann würde ich dort hin ziehen, aber da das wahrscheinlich nicht funktioniert, bleibe ich lieber da wo ich bin, das spart Energie.

Etwas sehr praktisches kam allerdings in diesem Buch vor, nämlich die nach Hause lieferbare Obst- und Gemüsekiste, deren Inhalt von den Jahreszeiten abhängig ist. Sowas gibt's z.B. bei lebegesund.de. Allerdings stehe ich diesem Anbieter sehr kritisch gegenüber, da er anscheinend in Zusammenhang mit einer religiösen Bewegung steht, die sich universelles Leben nennt. Insbesondere die Wikipedia Quelle von Maqi namens Universelles Leben - Eine Gefahr für die Tierrechtsbewegung kritisiert diese Organisation ziemlich heftig. Daher rate ich, von diesem Anbieter Abstand zu nehmen.

Alternativ gibt es lieferbare Frischprodukte etwa von Fruchtverstand.de oder bei einem der Anbieter, die auf Naturkost.de verlinkt sind.

Das andere Buch, das ich gestern zuende gelesen habe, war der vierte Teil der Commonwealth Saga von Peter F. Hamilton bzw. die deutsche Übersetzung davon. Im großen und ganzen ist dieser Vierteiler ganz ok, die Detektivgeschichten sind gut, alles andere ist oft nur mittelmäßig, bis auf die Übersetzung, die war mies. Trotzdem kann Hamilton eines gut: Seine Bücher sehr spannend schreiben.

So, jetzt wieder zum neuen Jahr: Ich habe den Vorsatz gefasst, ein etwas asketischeres Leben zu führen, um mich besser auf das Wesentliche konzentrieren zu können (ja ich lasse mich leider gerne ablenken):

Und überhaupt will ich nicht mehr irgendeinen Konsum-Schrott kaufen, der mir irgendwie unter die Augen kommt. Sowas brauche ich nicht. Ich brauche nur Dinge, die ich wirklich brauche, z.B. Schuhe oder Schreibbedarf und vor allem etwas veganes zum Essen. Und natürlich das Internet, sonst könnte ich diese Seite natürlich nicht hochladen.

Insgesamt gefällt mir mein zunehmend asketischerer Lebensstil ganz ausgezeichnet. Ich lasse mich zunehmend seltener von irgendetwas ablenken, was ich eigentlich gar nicht wirklich will. So komme ich schließlich meinem Ideal eines durch und durch rationalen Lebens scheinbar langsam aber sicher näher.

Mit dem Geld, das ich wohl durch mein Rationalisierungskonzept einsparen werde, könnte ich dann vielleicht die Menschen für Tierrechte und die Giordano Bruno Stiftung unterstützen. Den Speziesisten und den Religionen muss ihre Macht entzogen werden und zwar schnell! In letzter Zeit bin ich zu der Auffassung gelangt, dass die Religionen die größte Bedrohung für das Leben sind - sogar noch vor der Umweltzerstörung und den Kernwaffen! Nichts könnte verheerender sein als ein neues Mittelalter, gerade in dieser überaus kritischen Phase unserer Entwicklung. Was wir brauchen ist gerade eine neue Aufklärung.

Auf zum Aufstieg!

3.1.2008

Heute wurde ich von Nemesus benachrichtigt, dass er ein neues Plateauprojekt gestartet hat. Ich selber werde mich nicht daran beteiligen, aber vielleicht hat ja der eine oder andere ein Interesse daran, bei einer etwas anderen Community mitzumachen:

"Das Forum kann als eine Art virtueller Trainingsraum gesehen werden, für Menschen, die aufrichtig miteinander an sich arbeiten möchten. Dieses Forum ist nur für sehr wenige Menschen bestimmt. Es ist nichts für Profilneurotiker, Fanatiker, Erbsenzähler, Konservative, Pseudo-Intellektuelle, Redenschwinger und Nichtstuer. Es ist für aktive Menschen!"

Viele Leute bleiben da ja nicht übrig, die überhaupt noch in Frage kommen. Aber vielleicht zählst du ja dazu: Hier komst du zum Plateau.

Ich wusste es schon lange: Die westliche Gesellschaft ist total am Arsch. Aber jetzt hat es auch die Wissenschaft herausgefunden: Rebellion kommt nur bei westlichen Teenagern vor. Natürlich bringt der Artikel nur Pseudoantworten auf die Frage nach dem "Warum". Dabei ist es doch offentichtlich, dass das daran liegt, dass die westliche Gesellschaft den größten Dachschaden von allen hat. Aber dafür ist man ja blind, wenn man nicht gerade gegen die eigene Gesellschaft rebelliert ;)

9.1.2008 (Mittwoch)

Langsam keimt in mir die Erkenntnis auf, dass der Schlüssel zum Erfolg in der Fähigkeit liegt, hart zu sich selber sein zu können. Das fängt damit an, überhaupt mal pünktlich aus dem Bett aufzustehen (das ist bei mir oft die größte Herausforderung des Tages) und hört damit auf, sich abends im Bett nicht irgendwelche Gedanken über abstruse philosophische Themen zu machen (eine meiner Lieblingssünden).

Zum Beispiel war ich heute endlich mal wieder im Fitnessstudio, was mir ein tolles Erfolgserlebnis vermittelt hat. Wo man keine Motivation hat, muss man einfach stur bleiben und das tun, was man sich vorgenommen hat. So habe ich das schließlich auch mit der Vorbereitung auf mein Seminar am 25.1. gemacht; ähm, also ich habe erst fast 2 Wochen herumgegammelt und habe mich am letzten Wochenende der Ferien noch dazu aufraffen können, mal meine Vorbereitung fortzusetzen.

Das Ergebnis meiner Bemühungen war, dass ich jetzt das Gefühl habe, einen Überblick über den Stoff zu haben. Allerdings hat das auch einen Haken: Jetzt weiß ich, was ich alles noch nicht wirklich verstehe. Und ich bin immernoch nicht fertig. Das heißt, ich muss jetzt die Zeit, die ich normalerweise für die Bearbeitung von Übungsblättern nutze, in meine Vortragsvorbereitung stecken. Aber so habe ich das bisher auch immer gemacht, und es hat auch immer funktioniert. Nur ist dieses Verfahren leider etwas suboptimal.

Dummerweise ist die Fähigkeit der Selbstkontrolle nur sehr langsam erlernbar. Aber Hauptsache, man macht überhaupt Fortschritte. Letzte Woche habe ich mir für diese, nach höherer Souveränität strebende, Geisteshaltung den Begriff der Aszendenz gewählt. Und zwar als Gegensatz zur Dekadenz. Aszendenz bedeutet für mich, einen langsamen, schrittweisen Aufstieg in Richtung höherer Willenskraft sowie allgemein in Richtung der Realisierung ehrgeiziger Ziele.

Es ist nun einmal so, dass die wirklich total ätzenden Probleme psychischer Natur sind. Wenn man sein Leben verbessern will, muss man bei sich selbst anfangen: Genauer bei seinem Charakter und seinen Gewohnheiten (der Charakter eines Lebewesens besteht vor allem aus sehr fest eingefahrenen Gewohnheiten). Ich kann zum Beispiel nicht die Welt retten, indem ich faul bin und nur herumgammle; was ich aber schon sehr viele Jahre meines Lebens im Wesentlichen (außerhalb meiner Bildungslaufbahn) gemacht habe. Deswegen ist es so wichtig für mich, immer weiter an mir zu arbeiten und nach Perfektion zu streben. Zumindest ist das der rationalste Grund.

Zum Schluss noch eine Message an potienzielle Leser: Bildet euch weiter! Lest anspruchsvolle (!) Bücher (also keine Groschenromane oder so einen Schund wie die Bibel)! Es macht einen großen positiven Unterschied! Ein Buch, das die eigene Sicht auf die Welt nicht verändert, ist übrigens kein gutes Buch...

13.1.2008 (Sonntag)

Das Leben könnte so spannend sein, wenn ich derartige Superkräfte hätte, wie ich sie des öfteren in meinen Träumen besitze:

Wenn man genug Sci-Fi und Dragonball Z geschaut, sowie viel zu viele Computerspiele gespielt hat, kommt eventuell so was dabei raus. Ich sehe solche Träume als willkommenes Unterhaltungsprogramm an - als Kontrast zum einigermaßen langweiligen "real-life".

Meine Träume sind manchmal total gesponnen und bizarr, aber eben sehr unterhaltsam. Wo sonst mancht man eine Forschungsreise in die Hölle, zum Studium der dortigen Mikrobiologie, um die Geheminisse der Dämonenbiologie zu entschlüsseln? Oder wo hört man schon von einem Gespräch mit ranghohen Dämonen, die einem erklären wollen, dass Gott bloß eine Propagandaerfindung der Engel ist?

Solche Träume sind immer wieder ein Highlight, aber leider lenken sie mich auch für den halben darauf folgenden Tag ab, weil ich mich danach ständig frage: "Ok, was hatte das nun schon wieder zu bedeuten"? Ich sollte es wohl einfach dabei bewenden lassen und mich freuen, dass mein Unterbewusstsein so herrlich kreativ ist.

Übrigens bin ich wieder im Plateau Trivial dabei. Natürlich hauptsächlich, um Werbung für Projekt Prometheus zu machen - für viel mehr will ich mir einfach keine Zeit mehr stehlen. Zeit ist kostbar. Deswegen muss ich mir ihr sehr gut haushalten, was mir aber langsam aber sicher etwas besser gelingt als noch vor ein paar Jahren.

Seit diesem Wochenende habe ich die Begrüßungsunterlagen von den Menschen für Tierrechte bei mir rumliegen. Als Fördermitglied bekommt man sowas ja immer zugeschickt. Heute habe ich mir diese Unterlagen ein bisschen angeschaut, aber leider ist es sehr bedrückend, die heutigen Mißstände vor Augen geführt zu bekommen. Aber immerhin gibt es einige, die etwas dagegen unternehmen.

Wann gibt es endlich mal eine Zivilisation auf diesem Planeten? Bis heute gab es, soweit ich weiß, keine einzige echte Zivilisation auf der Erde. Nur barbarische Möchtegern-Zivilisationen. Das muss sich ändern! Und zwar mit der mächtigsten und schwierigsten aller Superkräfte: Geduld!

14.1.2008 (Montag): Absturz - Verzweiflung - Erkenntnis

Gestern Abend war ich über die zögerlichen Reaktionen auf meine Idee vom Projekt Prometheus enttäuscht. Und auch darüber, dass der Mensch, der sich davon wirklich begeistert gezeigt hat, sich bei mir in der Zwischenzeit nicht mehr gemeldet hat. Dummerweise hat mich das emotional mittelmäßig betrübt.

In diesem Zeitpunkt der Verzetzlichkeit, wurde ich das auf ein idiotisches Browsergame namens Endless War 3 aufmerksam gemacht. Und ich war tatsächlich verrückt genug, mich einige Zeit lang darauf einzulassen. So tief bin ich seit langem nicht gesunken!

Heute war ich emotional immernoch fast genau so mies drauf wie gestern. Ok, wenn ich's genauer quantifizieren soll, würde ich sagen, ich war 65% so mies drauf wie gestern - plus minus 15%.

Nachdem ich von der Uni heimgekommen bin und etwas gegessen habe, wusste ich nicht mehr, was ich tun sollte. Ich habe typischerweise große Probleme, mich zu entscheiden. Am liebsten würde ich alles gleichzeitig machen - aber das geht ja nicht, ich bin nicht nur ein Mensch (immernoch ... grr!!!). Daher wähle ich die nächstbeste Option und will immer optimale Entscheidungen treffen. Sprich: Vernünftige Entscheidungen. Aber das ist mühselig und anstrengend und überhaupt nicht klar umrissen und sowieso.

Also, worum ging's überhaupt? Ich hatte ungefähr die Wahl zwischen drei Optionen:

Ok, wie geht ein exzentrischer möchtegern-rationaler Philosoph an so ein Entscheidungsproblem heran?

Schritt 1: Ich überlege mir, was vielleicht die vernünftigste Entscheidung sein könnte. Nach heftigem Brainstorming und partiellem Abwägen komme ich zu keinem Ergebnis. Ich habe einfach keinen blassen Schimmer, was die beste Entscheidung sein könnte! Das einzige, was bei meinen Überlegungen herauskommt, ist dass das Problem aus theoretischer Sicht wirklich schwer zu knacken ist, und alle Lösungsmöglichkeiten, die mir einfallen, auf irgendeine Weise beschissen sind.

Schritt 2: Nachdem ich eingesehen habe, dass mit Vernunft hier nicht viel zu gewinnen ist, und ich merke, dass ich emotional viel zu aufgewühlt bin, lege ich mich ins Bett und gehe meine autogene Standardübung durch. Dann frage ich mein Unterbewusstsein, was ich denn machen sollte. Dessen Antwort lautete in etwa so, dass ich den ganzen Quatsch einfach sein lassen sollte und, dass es total genervt ist, dass ich immer auf dieser Rationalitätsschiene fahre. Hmpf, war ja klar.

Schritt 3: Im Zustand relativer Entspanntheit überlege ich mir, eine sinnvolle Entscheidungstheorie. Schnell schießen mir drei konkurrierende Modelle durch den Kopf:

  1. Entscheidungstheorie 1: Das Aszendenzmodell: Tue das, was dich in deiner persönlichen Entwicklung am weitesten bringt und verzichte auf keine einzige gute Gewohnheit - auch nicht in relativen Notsitationen. Dieses Modell spuckt mir folgende Reihenfolge der Prioritäten aus: (F), (T), (S)
  2. Entscheidungstheorie 2: Das Dringlichkeitsmodell: Tue das, was momentan wirklich am wichtigsten ist und dessen Vernachlässigung die katastrophalsten Konsequenzen hätte. Klingt doch vernünftig, oder? Außerdem ist es ein gutes Gefühl, etwas erledigt zu haben, das ganz besonders dringlich ist. Nach diesem Modell müsste ich meine Aufgaben in folgender Reihenfolge abarbeiten: (S), (T), (F)
  3. Entscheidungstheorie 3: Das Spaßmodell mit Nebenbedingung: Tue das, was dir momentan am meisten Spaß macht - unter der Bedingung, dass es überhaupt irgendwie sinnvoll ist und dich weiterbringt. Der Vorteil dieses Modells ist die offensichtliche Einfachheit und die maximierung der emotionalen Motivation. Leider ist es nicht so "vernünftig" und man könnte eventuell wichtige Dinge vernachlässigen, wenn man immer so verfährt. Mit dieser Entscheidungsmethode bekomme ich die (Spaß-)Prioritäten: (T), (S), (F)

Das Problem ist nun, dass im mich für eine dieser drei Entscheidungstheorien entscheiden muss. Aber wie mache ich das? Benutze ich dafür eine dieser Entscheidungstheorien? Sozusagen als Master- bzw. Meta-entscheidungstheorie? Aber welche soll das denn bitte sein? Und eine vernünftige Antwort auf diese Frage fällt mir sowieso nicht ein.

Nachdem ich einige Zeit lang versucht habe, dieses Problem irgendwie zu lösen, bin ich bei den Versuch fast eingeschlafen. Mein neuronales System hat sich praktisch aufgehängt. Neustart...

Schritt 4: Ich lasse meinen Geist schweifen und überlege mir, ob ich nicht eine der Theorien ausschließen kann. Zunächst entscheide ich mich dabei für das Dringlichkeitsmodell. Das hat etwas zu vernünftiges an sich. Und dass man nicht rational abwägen kann, ist mir inzwischen klar. Also weg damit. Bleiben noch zwei übrig.

Schritt 5: Das Spaßmodell ist zwar cool und einfach, aber es hat etwas zutiefst unbefriedigendes an sich. Da ich nach Selbstoptimierung strebe, kann dies nur eine Notlösung darstellen. Und da ich in 10 Tagen mein Seminar vortragen sollte, bin ich einigermaßen in einer Notlage, weil ich immernoch viel zu tun habe. Aber so schlimm ist meine Situation auch wieder nicht. Aber auch nicht so gut, weil ich emotional immernoch angeschlagen bin.

Plötzlich überkommt mich dann die Erkenntnis, dass das Aszendenzmodell in solchen Fällen mit dem Spaßmodell übereinstimmen könnte. Denn es ist nicht realistisch möglich, in einer relativen Notsituation optimal persönlichkeitsfördernde Entscheidungen zu treffen. Hauptsache, man kommt irgendwie wieder auf den rechten Weg zurück. Und dafür scheint das Spaßmodell einigermaßen geeignet zu sein, weil es die Energie wieder auf sinnvolle Beschäftigungen lenkt.

Auch das Dringlichkeitsmodell fügt sich nun nahtlos in meine synthetische Theorie ein: Derart vernünftig handelt ein Mensch ja normalerweise wirklich nicht. Menschen sind nur dann vernünftig, wenn ihnen nichts anderes mehr übrig bleibt - ich spreche da natürlich aus eigener Erfahrung ;) Sprich: Das Dringlichkeitsmodell kann man sich ruhig für wirkliche Notfälle aufsparen. Ansonsten funktioniert es einfach nicht wirklich. Ich fasse meine Erkenntnisse also zusammen:

Synthetische Entscheidungstheorie: Wähle im Normalfall das Aszendenzmodell. Bei wirklichen Notfällen wähle das Dringlichkeitsmodell. Sollte ledigleich eine emotionaler Verstimmung vorliegen, wähle das Spaßmodell mit Nebenbedingung.

Toll, jetzt habe ich anderthalb Stunden nichts auf die Reihe bekommen, aber dafür habe ich mir eine neue Entscheidungstheorie ausgedacht. Ironischerweise stellen solche Situationen bei mir den Normalfall dar. Aber ich liebe es einfach, über derartige "banalen" Alltagsprobleme herumzuphilosophieren, bis sich am Ende die rettende Erkenntnis, wie aus dem Nichts, im meinem Bewusstsein manifestiert. Mein Geist ist schon irgendwie toll. Leider reduziert seine Funktionsweise meine reale Produktivität erheblich. Aber es gibt ja schlimmeres.

Ich könnte zum Beispiel ein normaler Mensch sein, ohne irgendwelche Ambitionen, die Welt retten zu wollen. Das wäre für mich völlig inakzeptabel (aus meiner derzeitigen Perspektive natürlich). Oder ich könnte durchaus die Welt retten wollen, aber zu unfähig dafür sein. Partiell mag das vielleicht noch zutreffen, aber nicht mehr lange, da ich bei meinem jetzigen Entwicklungstempo schrittweise zur Übermenschlichkeit aszendiere. Zumindest hoffe ich das.

19.1.2008 (Samstag)

Heute habe ich tatsächlich noch einen Psychotest gefunden. Und zwar einen über hohe Sensibilität. Hier mein Ergebnis:

Test-Auswertung
Vielen Dank, dass Sie an unserem Test teilgenommen haben!

Sie haben 214 Punkte!

(Punkte-Anzahl 188 bis 300)
Sie sind mit an Gewissheit grenzender Sicherheit eine HSP. Hochempfindlichkeit beginnt bei 163 Punkten. Je weiter Ihre Punkte-Anzahl über 200 liegt, umso mehr sollten Sie darauf achten, sich in kein Schneckenhaus zu verkriechen. Sie werden sicher noch glücklicher und leistungsfähiger sein, wenn Sie nicht versuchen zu leben wie ein nicht-HSP. Arbeiten Sie daran Wege und Möglichkeiten zu finden, um in einer Ihnen angenehmen Weise Kontakt mit der Welt zu halten. Die Welt braucht Sie und Ihre Empfindsamkeit. Sie sind eine Bereicherung. Ausführlichste Beschreibungen, aber auch viele hilfreiche Tipps, wie Sie mit dieser Anlage optimal umgehen können finden Sie auch in dem Buch "Zart besaitet - Selbstverständnis, Selbstachtung und Selbsthilfe für hochempfindliche Menschen", von dem Sie die ersten 4 Kapitel (von insgesamt 8) auf der Webseite des Verlages online probelesen können.

Von Ihnen würden wir uns auch Meinungen, Wünsche und Anregungen über unsere Angebote zum Thema Hochsensibilität interessieren. Bitte nehmen Sie sich 3 Minuten Zeit und füllen Sie unsere diesbezügliche Umfrage aus >>

Alle Punkteauswertungen ansehen

Ich finde es erstaunlich, wie mir derartige Onlinetests immer wieder Sachverhalte vor Augen führen, die mir schon zuvor völlig klar waren. Gut, der Vorteil solcher Tests ist: Danach sind sie mir noch klarer.

Die Vermarktung der auf der Verlagsseite angepriesenen Bücher ist natürlich geschickt gemacht - wenn auch etwas durchsichtig für hochsensible Menschen wie mich ;)

Und nun: Science Fiction! Irgendwie hat mich diese Neuigkeit doch etwas erstaunt. Bei derartig cooler Technologie geht mir etwa folgendes durch den Kopf: "Aha, ich lebe also schon in der Zukunft." Es ist doch schon faszinierend, für was das gute alte Wasser doch gut sein kann. Hmm... ich frage mich, was man irgendwann mit Wassermoleküllasern so alles anstellen könnte ...? Es ist sicherlich nur eine Frage der Zeit, bis wir darauf Antworten bekommen. Wissenschaft ist schon toll.

Eine Erkenntnis will ich hier noch festhalten. Mir ist aufgefallen, dass mein Wohlbefinden sehr stark von meiner "Performance" bestimmt wird und nur marginal von anderen Faktoren. Wenn ich viel hinkriege, bin ich gut drauf. Falls ich zu lange herumgammle, entsteht dadurch so ein sehr ungutes Gefühl in mir, das in etwa sagt: "Hallo, du vergeudest deine ganze Zeit." Und dieses Gefühl wird auf jeden Fall nicht dadurch reduziert, dass ich es ignoriere und weitergammle. Ich muss tatsächlich gemäß meinen Idealvorstellungen leben und handeln, um wirklich zufrieden zu sein. Das ist mir aber gerade recht!

26.1.2008 (Samstag)

Gestern und vorgestern war ich auf dem Ergodentheorieseminar in Blaubeuren. Im Vergleich zu meinen bisherigen Seminaren, war dieses relativ gut. Zumindest von der Qualität der Vorträge her - auch wenn natürlich die üblichen kleinen Probleme aufgetreten sind.

Dieses mal habe ich ganz meiner Betreuerin Dr. Tanja Eisner vertraut. Sie hat mir natürlich viel geholfen, aber ich hätte auch vor meinem Vortrag mit Prof. Rainer Nagel absprechen sollen. Irgendwie habe ich zu viel von dem gemacht, was er nicht sehen wollte und zu wenig von dem, was er sehen wollte. Möglicherweise ist das auch nur eine Frage des persönlichen Geschmacks. Man kann es sowieso fast nie allen gleichzeitig recht machen.

In Blaubeuren gibt es übrigens den Blautopf, der allerdings eher sehr grünlich war, als ich ihn mir angesehen habe. Aber so eine unterirdisches Quellbecken wäre eine sehr gute Dekoration für einen ausgedehnte Gartenanlage - genauso wie die großen steilen Felsen, die in dieser Stadt sporadisch über die Landschaft verstreut sind.

Zurück zum Thema: Die Welt ist schlecht. Aber eines ist wirklich gut: Die Giordano-Bruno-Stiftung, die sich der zeitgemäßen Aufklärung verschrieben hat. Ihr Manifest des evolutionären Humanismus ist mal ein weltanschauliches Schriftstück, dem ich in weiten Teilen und sogar im Großen und Ganzen zustimmen kann! Dieses Manifest ist auch meiner Sicht das Manifest, das man unbdedingt (!) gelesen haben sollte! Würde es die Größe dieses Werkes nicht unsäglich in den Schmutz ziehen, würde ich es als "Bibel der Aufklärung" bezeichnen, aber das verbietet sich natürlich.

Eigentlich wollte ich mir das Manifest ja kaufen, aber die Giordano-Bruno-Stiftung ist mir da dankenswerterweise zuvor gekommen. Wie zu Neujahr angekündigt, bin ich tatsächlich dem Förderkreis der Giordano-Bruno-Stiftung beigetreten. Das hat jemand wohl irgendwie als Anlass genommen, mir das wunderbare Manifest zukommen zu lassen - zusammen mit den üblichen Broschüren, die man bekommt, wenn man einer gemeinnützigen Vereinigung beitritt.

Bevor mein Projekt Prometheus wirklich anlaufen kann, existiert also schon seit langem seine Organisation, die auf ähnliche Weise wie ich versucht, die Welt zu verbessern. Und das auch noch erstaunlich professionell. Meine Botschaft ist also klar: Wenn du die Welt verbessern willst oder mich unterstützen willst, oder einfach nur wissenschaftliches Denken und (evolutionären) Humanismus toll findest, dann unterstütze die Giordano-Bruno-Stiftung! Etwas viel effektiveres, um die heutigen Probleme anzupacken, kann man aus meiner Sicht kaum machen.

Gut, so viel zu meiner überschwänglichen Werbung für die Giordano-Bruno-Stiftung. Um meine Information über gemeinnützige Orgsanisationen einigermaßen gerecht zu verteilen, will ich noch darauf hinweisen, dass ich jetzt - wie ebenfalls angekündigt - bei den Menschen für Tierrechte bin. Diese mögen sich vielleicht ein wenig zu sehr auf Tierversuche konzentrieren, aber auf diesem Gebiet leisten sie anscheinend sehr professionalle Arbeit, um eben über Tierversuche und deren Alternativen aufzuklären. Aus meiner Sicht muss auch sehr entschieden gegen "Nutztierhaltung" vorgegangen werden. Dafür gibt es zum Beispiel Orgsanisationen wie Maqi, wobei Maqi aber keine Spendengelder annimmt.

Schon seit etwas längerer Zeit bin ich Fördermitglied bei Attac, Greenpeace und dem WWF. Ohne soziale Gerechtigkeit und eine intakte Umwelt wird unsere Welt zwangsläufig vor die Hunde gehen. Jeder Schritt in die Richtige Richtung zählt. Das Schicksal der Welt wird dadurch gesteuert, dass den richtigen Akteuren Einfluss und Geld zukommt. Und das bezieht sich eben nicht nur auf sporadische demokratische Politiknuancenabstimmungen (Wahlen).

Aber vor allem muss man bei sich selbst ansetzen, um wirklich eine Veränderung in Gang zu setzen. Du musst selbst zu der Veränderung werden, die du in der Welt sehen willst. Dieses Zitat stammt anscheinend von Mahatma Gandhi. Natürlich gibt es auch weitere ähnlich tolle Zitate zur Veränderung. Ich selber sehe momentan bei mir das Problem, dass ich noch viel zu unoffensiv mit meinen Mitmenschen umgehe. Aus reiner Bequemlichkeit bin ich noch viel zu passiv, aber so habe ich ja keinen wirklichen Einfluss auf meine Mitmenschen. Es ist mein aktuelles Psychomorphoseprojekt, mir eine Umgangsform mit meiner menschlichen Umgebung anzueignen, die von wirklicher Initiative geprägt ist.

Allgemein halte ich es von allergrößter Wichtigkeit, neben Körper und Geist auch den Willen zu trainieren. Eigentlich ist dieser ja der wesentliche Kern der Persönlichkeit! Eine Fähigkeit, die praktisch niemals eingesetzt wird, muss aber zwangsläufig mit der Zeit verkümmern. An dieser Idee und an meiner Überzeugung, dass bewusstes Denken nach einer gewissen Zeit zu unterbewussten Denkmustern durchsickert und somit letztendlich das Handeln bestimmt, setzt mein Konzept der Psychomorphose an. Diese besteht bei mir momentan aus vier Phasen:

  1. Bekräftigung meiner individuellen Zielrichtung. Bei mir ist das momentan die Aszendenz.
  2. Scharfe Kritik an den Fehlern, die ich am aktuellen Tag begangen habe.
  3. Lob meiner eigenen besonderen Leistungen des aktuellen Tages.
  4. Planung des nächsten Tagesabschnittes.

Nach dem letzten Schritt ist eventuell eine Synchronisierung des Bewusstseins mit dem Unterbewusstsein notwendig, um die nötiger Entschlossenheit und den wirklichen Willen aufzubringen, die eigenen Pläne duchzuführen.

Immer wieder verleiten mich momentane Erfolge dazu, auf diese Psychomorphosetechnik zu verzichten, weil ich mich einfach zu gut dafür fühle, und meine, das nicht mehr nötig zu haben. Allerdings stellt sich das immer wieder als Trugschluss heraus. Auch in letzter Zeit habe ich meine Psychomorphose sträflich vernachlässigt. Es ist sehr schwierig, sich einer derartigen autonomen Gehirnwäsche zu unterziehen, aber mir ist einfach kein Verfahren bekannt, das schneller zum vernünftigen Erfolg führt.

Im Prinzip habe ich mit meiner Psychomorphosetechnik nichts Neues erfunden. Das Gebet übernimmt in den alten Religionen genau dieselbe Rolle, ist aber weitaus weniger reflektiert, zielgerichtet und mobilisierend. Tatsächlich übernehme ich in der äußeren Form dennoch einen Aspekt aus dem Gebet: Ich falte während meiner Psychomorphose die Hände. Der Grund dafür ist folgender: Dadurch kann ich mich einfach besser auf mein Verfahren konzentieren und lasse mich weniger von anderen Dingen ablenken.

Natürlich ist meine Psychomorphosetechnik immernoch recht experimentell; aber ich bin recht zuversichtlich, dass sie sich auf lange Sicht als recht wirkungsvoll erweisen wird.

27.1.2008 (Sonntag): Änderung

In den letzten Tagen habe ich mir Gedanken über folgende Formulierung gemacht, die bis heute auf meiner Homepage zu lesen war:

Die Menschen, die heutzutage in unserer Gesellschaft leben, lassen sich im Prinzip ganz einfach klassifizieren:
  1. Sondermüll: ca. 20% Bevölkerungsanteil (Soziopathen; rücksichtslose Egomanen)
  2. Müll: ca. 70% Bevölkerungsanteil (Konservative; der über nichts reflektierende Mainstream)
  3. Nutzlos: ca. 9,9% Bevölkerungsanteil (Ökos; Pazifisten; Vegetarier)
  4. Nützlich: ca. 0,1% Bevölkerungsanteil (Weltverbesserer; Genies; Ausnahmetalente)
Der Aufstieg in die nächsthöhere Kategorie ist erwünscht und möglich. Der Abstieg leider auch.

Das war natürlich als Provokation gemeint, aber meine Aussagen enthielten in gewisser Weise auch einen traurigen Funken Wahrheit. Es dürfte inzwischen ja allgemein bekannt sein, dass der Mensch durch sein Handeln die Natur oftmals in dramatische Weise schädigt und damit letztendlich damit sich selbst. Wie er manchmal mit seinen Mitmenschen umgeht, wird in Punkto Grausamkeit und Rücksichtslosigkeit nur durch seinen Umgang mit nichtmenschlichen Tieren übertroffen. Der Eindruck der Zivilisiertheit, den die westliche Kultur erweckt, kaschiert in teils geschickter, teils haarsträubender Weise ihre zutiefst destruktiven und barbarischen Elemente. In der Tat leben wir in einem derart finsteren Zeitalter, dass die Probleme unserer Lebensweise durch noch mehr Drogenkonsum, sinnlosem Kommerz und weltanschaulicher Verblendung kompensiert werden müssen, damit der Normalbürger nicht völlig durchdreht.

Meine damalige Klassifikation mag vielleicht etwas an sich haben, aber sie schafft nur Gräben zwischen den Menschen. Eigentlich sitzen wir alle in einem Boot und dass einige mehr Schaden anrichten als andere, ist nicht wirklich ihre Schuld, sondern liegt am gesellschaftlich-kulturellen Umfeld, das ziemlich wenig dazu geeignet ist, vernünftig denkende und rücksichtsvoll handelnde Menschen hervorzubringen. In gewisser Weise ist der Mensch eine Art zufälliges Experiment der Natur. Er hatte noch nicht viel Zeit, um den veantwortlichen Umgang mit seinen immer weiter steigenden Fähigkeiten zu erlernen. Aber er muss jetzt schnell lernen, sonst werden sich Tragödien ereignen, die den Holocaust als Kindergartenschlägerei erscheinen lassen.

An Stelle meiner Klassifikation setze ich eine Aussage, die meine Intention viel besser trifft:

Wer die heutige Gesellschaft nicht in aller Schärfe kritisiert, oder seiner Kritik keine entsprechende Handlungsänderung folgen lässt, dessen Leben ist nicht nur wert- und sinnlos, sondern sogar schädlich für die Allgemeinheit!

Mein wesentlicher Anklagepunkt besteht also darin, dass viel zu wenig angeklagt wird! Und auch wenn angeklagt wird, sind die Ankläger oftmals blind für ihre eigenen Fehler, und den von ihnen selber begangenen, gesellschaftlich akzeptierten, Gräueltaten.

Dass manchmal das falsche beklagt wird oder dass die Lösungsvorschläge mancher Extremisten völlig fehlgeleitet sind, ist natürlich ebenfalls ein Problem; aber es ist nicht so verheerend wie die Ignoranz der der Großteil der Bevölkerung gegenüber den Mißständen in dieser Welt entgegenbringt!

Natürlich ist der Durchschnittsmensch mit den Problemen der Welt vollständig überfordert, aber nichts zu tun, oder sich mit mit den Problemen abzufinden, oder gar völlig zu resignieren, ist eine absolut falsche Reaktionsweise. Selbst wenn jeder nur einen geringen Einfluss auf das Schicksal der Welt hat, kann dieser Einfluss im Kleinen und auch gelegentlich im Großen entscheidend sein.

Es erfordert aber Wissen und Charakterstärke, etwas zu unternehmen, seinen Mitmenschen zu widersprechen, und zu sagen: "So geht es nicht weiter. Unsere bisherige Handlungsweise war falsch. Wir müssen etwas ändern!" Durch einen solchen Widerspruch macht man sich zum Ärgernis. Aber man macht damit genau das richtige, denn ohne Widerspruch ist kein echter Fortschritt möglich!

Hiermit widerspreche ich folgenden gravierenden, mehr oder weniger weit verbreiteten, gesellschaftlichen Mißständen:

  1. Der Ausbeutung unserer empfindungsfähigen nichtmenschlichen Mitwesen, insbesondere in Form der Massentierhaltung;
  2. Der ungebremsten Zerstörung von Urwäldern zu kommerziellen Zwecken, welche zu großen Teilen von der Gier der Industrieländer verursacht wird;
  3. Dem Erwerb von Konsumgütern als Statussymbolen;
  4. Den staatlichen Subventionen der Religionen;
  5. Dem Jahrtausende alten Irrglauben, dass Religionen von ethischem Wert sind, oder sogar notwendig für jede Art von Ethik seien;
  6. Der gesellschaftlichen und staatlichen Förderung der Monogamie;
  7. Der unsäglichen Scheinheiligkeit, unter der viele Moralisten leiden;
  8. Dem fehlenden Willen, internationale Politik zu betreiben, die die schlimmsten Auswirkungen der globalisierten Wirtschaft verhindern könnte;
  9. Der allgegenwärtigen Unaufrichtigkeit;
  10. Dem Verkennen der zentralen Bedeutung der Bildung und der daraus folgenden geringen Qualität der Schul- als auch Hochschulbildung;
  11. Dem unreflektierten Glauben an Jahrtausende alte Märchen und der Befolgung von Handlungsvorschriften, die von den Religionen verbreitet werden;
  12. Dem unreflektierten Glauben an Aussagen aus Forschung und Wissenschaft;
  13. Der unkritischen Befürwortung von Traditionen;
  14. Der Einstellung, dass das akzeptabel sei, was als "normal" gilt;
  15. Allem autoritären Gebären, vor allem solches gegenüber Kindern;
  16. Der Tabuisierung unangenhmer Themen;
  17. Dem unüberdachten Verbrauch von Ressourcen;
  18. Der üblichen Meinung, zu allem eine Meinung haben zu müssen;
  19. Der Gewohnheit, nicht nachzudenken, bevor man sich äußert;
  20. Dem Instinkt und der Angewohnheit, dem Mainstream zu folgen;
  21. Der Rücksichtnahme auf "political correctness";
  22. Der allgemeinen Rücksichtslosigkeit gegenüber seinen Mitwesen - und oft auch sich selbst gegenüber;
  23. Dem Glauben an Verschwörungstheorien und verdrehte Weltbilder.

30.1.2008 (Mittwoch)

Ich wurde darauf angesprochen, dass ich meinen Schmierzettel doch in einen Blog umwandeln könnte. Dann könnte man auch endlich Kommentare zu dem Unsinn schreiben, den ich hier verzapfe. Ja, das stimmt. Allerdings plane ich in den Semesterferien, die in einigen Wochen kommen, sowieso einen großen Umbau meiner Homepage.

Ok, das muss nicht viel heißen, denn so etwas habe ich mir schon seit sehr vielen Semestern vorgenommen - und es ist bis jetzt nicht viel passiert. Damit endlich was passiert, kannst du mir zum Beispiel eine Mail schreiben, dass ich mal meinen Arsch bewegen und eine anprechendere Homepage basteln soll. Abgesehen davon, kannst du mir unabhängig davon stets Kommentare per E-Mail schicken. Wenn du es mir erlaubst, baue ich sie dann in meine Homepage ein. Das ist zwar etwas umständlicher als eine eingebaute Kommentarfunktion, aber das dürfte auch funktionieren.

Jetzt zu etwas anderem: Ich habe das Gefühl, diese Stellungnahme begründen zu müssen: "Wer die heutige Gesellschaft nicht in aller Schärfe kritisiert, oder seiner Kritik keine entsprechende Handlungsänderung folgen lässt, dessen Leben ist nicht nur wert- und sinnlos, sondern sogar schädlich für die Allgemeinheit!"

Die Begründung liegt in der Ethik: Ich hege den starken Verdacht, dass die heutige Lebensweise der Menschen in den Industrieländern dem Leben auf diesem Planeten insgesamt nicht zum Vorteil gereicht, sondern es im Großen und Ganzen deutlich schädigt. Der größte Knackpunkt liegt, aus meiner Sicht, im Umgang des Menschen mit seinen nichtmenschlichen Mitwesen. Nichtmenschliche Tiere werden allzu oft als Mittel zum menschlichen Zweck gesehen. Diese Ideologie hat letztendlich so weit geführt, dass sich stellenweise ein Umgang mit diesen Tieren etabliert hat, für den es kaum angemessene Begriffe gibt. Unbeschreiblich entsetzliche Grausamkeit und Mißachtung trifft es vielleicht noch am nächsten. Sehr gut wird das in folgender Dokumentation veranschaulicht: Earthlings.

In einem Zustand absoluter Versklavung und Rechtslosigkeit werden in der Massentierhaltung auch heute noch im Wesentlichen alle elementaren Grundbedürfnisse der Tiere nur so weit beachtet, als es wirtschaftlich Sinn macht - zum angeblichen Wohle der Menschen natürlich! Die heutige Technologie ermöglich es natürlich, ungemein effizient in der Ausbeutung der Tiere vorzugehen. Wie man, perfekt durchrationalisiert, Tiere wie Dinge behandelt, hat der Mensch ja in aller Deutlichkeit im NS Regime mit seinen Konzentrations- und Vernichtungslagern demonstriert. Üblicherweise sagt man heutzutage etwa, dass die Menschen damals "wie Tiere" behandelt wurden, aber dieser Vergleich zeigt doch sehr deutlich wie sehr der Speziesismus selbst in unserer Sprache verankert ist! (Und ja, ich bezeichne Menschen auch als Tiere, weil es eben der biologischen Realität entspricht.)

Wenn man man heutzutage sagt, jemand wird "wie ein Tier" behandelt, meint man doch das Folgende: "Jemand wird wie ein Ding behandelt, das keinen Wert für sich hat, sondern nur dafür existiert, um dem Menschen zu nutzen, oder gar eine Bedrohung für den Menschen ist." Die Erniedrigung des Menschen wird also mit der, von großen Teilen der Menschheit akzeptierten, Erniedrigung der Tiere verglichen und, im Gegensatz zu dieser, als entsetzlich empfunden! Während es als Sakrileg gilt, die Würde des Menschen zu mißachten, gilt es als Normalität, die Würde des nichtmenschlichen Tieres zu mißachten. Deswegen existieren auch heute noch unzählige Konzentrations und Vernichtungslager in aller Welt, ohne dass sie von der Öffentlichkeit als solche bezeichnet oder wahrgenommen werden!

Das Leid, das mit den heutigen hochtechnisierten Methoden, den Tieren in der Massentierhaltung zugefügt wird, kann im Extremfall als lebenslange Folter angesehen werden. Leider ist die Zahl der Tiere, die in solchen Anstalten ihr Dasein fristen, so gewaltig, dass davon ausgegangen werden muss, dass dieses Leid alles gegenwärtige Glück aller Menschen auf der Welt vollständig in den Schatten stellt. Würden wir mit der Währung des Glücks handeln, würde die Welt als ganzes deutlich rote Zahlen schreiben. Dies ist das zentrale ethische Problem unserer heutigen Zeit und nichts anderes. Probleme, die nur die Menschen betreffen, könnten im Vergleich dazu fast als marginal betrachtet werden.

Alle Vorstellungen, dass diese Tiere doch nicht so sehr leiden würden, sind lediglich eine Illusion, um sich selber zu beruhigen. Es ist natürlich einfacher, sich angenehme Illusionen zu machen, als wirklich etwas zu verändern. Wie man die restlichen Probleme der Welt lösen kann, darüber lässt sich vortrefflich streiten, aber es gibt einen Weg, der tatsächlich realistisch begehbar ist und die Misere der versklavten Tiere beenden könnte: Der konsequente Verzicht auf tierische Produkte. Leider verzichtet aber niemand ohne wirklich guten Grund freiwillig. Sich ethisch verhalten zu wollen, ist aber ein guter Grund. Wem das nicht als Motivation reicht, kann sich etwa auf Vegetarismus.ch oder Vegan.at weiter informieren und motivieren.

Ok, aber was hat das Problem des tierischen Leidens mit meiner obigen Stellungnahme zu tun? Erstens: Immernoch besteht die Mehrheit der Bevölkerung nicht aus Vegetariern oder gar Veganern. Damit verursacht diese Mehrheit das Problem und verschräft es eventuell sogar, falls ihre Nachfrage nach tierischen Produkten steigt. Auch wenn man für manche etwas zu indirekt sein sollte: Die Nachfrage nach tierischen Produkten ist die eigentliche Ursache der ganzen Misere. Deswegen schadet er Konsum solcher Produkte auch der Allgemeinheit - zunächst den nichtmenschlichen Tieren selber, in zweiter Instanz wegen ökologischer, gesundheitlicher und weiterer Probleme aber auch dem Menschen.

Zweitens: Wer mehr an der Erzeugung von Problemen beteiligt ist, als an deren Lösung, dessen Leben hat, zumindest von außen betrachtet, keinen positiven "Gesamtwert".

Drittens: Wer an irgendwelchen Werten hängt, sollte diese auch verteidigen - und zwar gegen diejenigen, die diese Werte bedrohen. Dabei dürfte es oft notwendig sein, anderen deutlich zu widersprechen. Wer immer nur die Position von anderen einnimmt, kann eben keine Werte durchsetzen.

Viertens: Welchen Sinn macht es, den Sinnlosigkeiten anderer zuzustimmen? Gar keinen! Wer einen Sinn in seinem Leben sehen möchte, tut gut daran, die Sinnlosigkeiten seines Umfeldes aufzudecken und zu kritisieren. Ein Leben, das in einer schlechten Welt, nichts zum besseren verändert, macht keinen großartigen Sinn (natürlich nur, wenn man von außen urteilt).

Fünftens: Die eigene Passivität und Konformität verleitet andere, sich ebenso passiv zu verhalten. Ein vollständig konformes Umfeld erschwert alle Anstrengungen, etwas zum besseren zu wenden, ins Unermessliche. Nur durch eine Kultur des Widerstands kann wirklich etwas verändert werden!

So viel dazu. Aber eigentlich war meine Stellungnahme auch auf mich bezogen, weil ich meine, noch zu wenig zu machen. Ich bin kein wirklicher Aktivist, sondern bis jetzt eher nur ein Theoretiker, der sich überlegt, wie man Probleme am besten lösen könnte. Aber selbst die beste Theorie ist als solche relativ nutzlos, wenn sie nicht genutzt wird, um etwas zu tun. Mein aktueller Plan, etwas zu tun, selbst wenn es nicht viel ist, besteht darin, andere zu fragen, wie sie das ethisch rechtfertigen, was sie machen. Bei solchen Fragen hake ich gewohnheitsmäßig viel zu wenig nach, um fruchtbare Resultate zu gewinnen oder mein Gegenüber zum wirklichen Nachdenken zu bringen. Sokrates konnte das damals anscheinend viel besser. Ich muss von ihm wohl noch viel lernen.

Nun ein weiteres persönliches Problem: Eine Sache, die ich immernoch nicht erledigt habe, obwohl ich sie so schnell wie möglich durchziehen wollte, um andere ebenfalls dazu zu motivieren, ist auf das Boykottkonto einzuzahlen. Dabei handelt es sich um den Boykott der Studiengebühren der Universität Tübingen (das Video auf jener Seite ist übrigens durchaus sehenswert). Aber selbst wenn dieser Boykott wie der letzte scheitern sollte: Dabei sein ist alles. Und beim dritten Mal sollte er dann wirklich sehr viel besser klappen. Dafür würde ich mich dann auch persönlich einsetzen!

Und zum Abschluss noch eine Gelegenheit Widerspruch einzulegen. Ein religionskritisches Kinderbuch soll indiziert werden! Dagegen gibt es eine Aktionsseite namens Rettet das kleine Ferkel!

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© Michael Hrenka, 2008